Der AverroiBmnn in der chriBtlich-peripatetischen Psychologie.
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Wie viele Gründe immerhin Aureolus haben mochte, seine
aus Averroes’ Commentar über die aristotelischen Bücher de
Anima geschöpfte Auffassung der averroistischen Anthropologie
für die richtige zu halten, so kann doch unbedenklich gesagt
werden, dass er sie nicht aus dem Geiste des averroistischen
Systems heraus verstand. Dieses ist nichts anderes als eine
Reproduction des unvermittelten antiken Gegensatzes von Neu;
und TXyj, welcher sich selbstverständlich auch in der averroistischen
Anthropologie reflectirt, und es unentschieden lässt,
ob man den Intellect oder das sinnliche Leibesgebilde für das
eigentliche Wesen des Menschen nehmen soll, der indess in
keinem Falle eine selbstige Verknüpfung und plastische Ineinsbildung
der beiden in ihm zu vermittelnden Gegensätze ist.
Von der aristotelisch-antiken Anschauung der Materie weicht
Averroes darin ab, dass er sie mit den Formen der Sinnendinge
geschwängert sein lässt — eine Anschauung, welche Aureolus
ablehnt, aber auch nicht als jene des Averroes gelten lassen
will. 1 Ist sie es aber wirklich, so ist damit zugleich auch
erwiesen, dass Aureolus die Bedeutung des averroistischen
naturalistischen Kosmismus, und somit auch den Sinn des averroistischen
Dualismus nicht erfasst hat. Gott und die Materie
sind für Averroes einfach gegebene Grundgegensätze, welche
einander wechselseitig fordern und involviren; nur widerstrebt
dem Averroes der Gedanke einer todten Materia prima, daher
er sie von vorneherein mit den Keimen aller sinnlichen Formen
geschwängert sein lässt. Damit ist aber zugleich auch der
Dualismus zwischen der geistigen und sinnlichen Welt geschaffen;
die den motorischen Einwirkungen der aus Gott emanirten
geistigen Potenzen unterstellte sinnliche Welt bildet ein geschlossenes
Gebiet für sich, welches von jenem der geistigen
Potenzen innerlich geschieden ist; der unvermittelte Dualismus
dieser beiden Ordnungen reflectirt sich im dualistisch gespaltenen
Menschenwesen, welches in den sterblichen Menschenindividuen
copulatiir nobis int.ellect.119 agens, et tune, intelliget horao intellectu agente,
sient forma; et ideo tune erit forma in nobis, cum illud quo inteliigimus,
sit forma in nobis, et ille secundum eum est Status ultiinae beatitudinis
possibilis homini. Unde dicit, quod sumus sicut, Dii, et qnod mirabilis
valde est iste ordo. Ibid.
1 2 dist. 18, art. 1.