Der AverroiemnB in der oliristlich-peripatetiBohen Psychologie.
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Averroes; das Eintreten für die wenigstens relative und annäherungsweise
Correctheit der anthropologischen Grundanschauung
des Averroes ist ein weiterer Differenzpunkt zwischen Aureolus
und Scotus, dessen Beleuchtung einer etwas umständlicheren
Erörterung bedarf.
Aureolus hatte sich in den Schriften des Averroes zweifelsohne
eben so genau umgesehen wie Duns Scotus; wenn er
dessungeachtet zu einer anderen Auffassung der averroistischen
Anthropologie als Duns Scotus gelangte, so wird der Grund
wohl darin gelegen sein, dass dieselbe eine verschiedene Auffassung
zuliess, je nachdem man sich an dasjenige hielt, was
Averroes über die Substanz der Seele sagte, oder was er über
die menschliche Erkenntnissthätiglceit äusserte. Averroes sprach
dem Menschen keineswegs ein von der anima sensitiva unterschiedenes
Intcllectivvermögen ab; er nannte dieses Vermögen
den Intellectus materialis, und schrieb ihm einen vom Bestehen
des vergänglichen Leibes unabhängigen Bestand zu, aber freilich
nur in jenem Sinne, als er in dem von der menschlichen Seele
verschiedenen, wesenhaft existirenden Intellectus agens, der
ein Ausfluss der Gottheit ist, aufgehoben ist. Eine selbstige
active Existenz der Menschenseele nach dem Tode ist hiemit
nicht vereinbar. Da nun weiter Averroes selbst auch den Intellectus
materialis durch den Intellectus agens aus einer in
der menschlichen Seele vorhandenen Disposition entwickelt und
actuirt werden lässt, so konnte er immerhin auch dahin verstanden
werden, dass der Mensch als solcher und seiner Substanz
nach nichts Anderes als ein lebendiges Sinnenwesen sei,
welches vor den übrigen Sinnenwesen der Erde die Empfänglichkeit
für die Einwirkungen des Intellectus agens voraus habe.
In diesem Sinne wurde er auch von Duns Scotus verstanden.
Aureolus sucht jedoch zu zeigen, dass dem Averroes eine Anschauungsweise
aufgebürdet werde, welche eigentlich jene des
Avempace (Ihn Badscha) sei, 1 und von Averroes ausdrücklich
hierauf bezüglichen Aeusserungen der Vic.torinerschule (speciell Richard
a S. Victore Trin. III, c. 8), von älteren schon erwähnten Zeugnissen
des lateinischen Abendlandes abgesehen, zur Seite gehen.
1 Isti non habent in hoc meutern Commentatöris, imo est recte opinio
Avempace, quam Commentator improbat. Ille enim Avempace posuit,