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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  AverroiemnB  in  der  oliristlich-peripatetiBohen  Psychologie.

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Averroes;  das  Eintreten  für  die  wenigstens  relative  und  annäherungsweise ­
  Correctheit  der  anthropologischen  Grundanschauung
des  Averroes  ist  ein  weiterer  Differenzpunkt  zwischen  Aureolus
und  Scotus,  dessen  Beleuchtung  einer  etwas  umständlicheren
Erörterung  bedarf.
Aureolus  hatte  sich  in  den  Schriften  des  Averroes  zweifelsohne ­
  eben  so  genau  umgesehen  wie  Duns  Scotus;  wenn  er
dessungeachtet  zu  einer  anderen  Auffassung  der  averroistischen
Anthropologie  als  Duns  Scotus  gelangte,  so  wird  der  Grund
wohl  darin  gelegen  sein,  dass  dieselbe  eine  verschiedene  Auffassung ­
  zuliess,  je  nachdem  man  sich  an  dasjenige  hielt,  was
Averroes  über  die  Substanz  der  Seele  sagte,  oder  was  er  über
die  menschliche  Erkenntnissthätiglceit  äusserte.  Averroes  sprach
dem  Menschen  keineswegs  ein  von  der  anima  sensitiva  unterschiedenes ­
  Intcllectivvermögen  ab;  er  nannte  dieses  Vermögen
den  Intellectus  materialis,  und  schrieb  ihm  einen  vom  Bestehen
des  vergänglichen  Leibes  unabhängigen  Bestand  zu,  aber  freilich
nur  in  jenem  Sinne,  als  er  in  dem  von  der  menschlichen  Seele
verschiedenen,  wesenhaft  existirenden  Intellectus  agens,  der
ein  Ausfluss  der  Gottheit  ist,  aufgehoben  ist.  Eine  selbstige
active  Existenz  der  Menschenseele  nach  dem  Tode  ist  hiemit
nicht  vereinbar.  Da  nun  weiter  Averroes  selbst  auch  den  Intellectus ­
  materialis  durch  den  Intellectus  agens  aus  einer  in
der  menschlichen  Seele  vorhandenen  Disposition  entwickelt  und
actuirt  werden  lässt,  so  konnte  er  immerhin  auch  dahin  verstanden ­
  werden,  dass  der  Mensch  als  solcher  und  seiner  Substanz ­
  nach  nichts  Anderes  als  ein  lebendiges  Sinnenwesen  sei,
welches  vor  den  übrigen  Sinnenwesen  der  Erde  die  Empfänglichkeit ­
  für  die  Einwirkungen  des  Intellectus  agens  voraus  habe.
In  diesem  Sinne  wurde  er  auch  von  Duns  Scotus  verstanden.
Aureolus  sucht  jedoch  zu  zeigen,  dass  dem  Averroes  eine  Anschauungsweise ­
  aufgebürdet  werde,  welche  eigentlich  jene  des
Avempace  (Ihn  Badscha)  sei, 1  und  von  Averroes  ausdrücklich

hierauf  bezüglichen  Aeusserungen  der  Vic.torinerschule  (speciell  Richard
a  S.  Victore  Trin.  III,  c.  8),  von  älteren  schon  erwähnten  Zeugnissen
des  lateinischen  Abendlandes  abgesehen,  zur  Seite  gehen.
1  Isti  non  habent  in  hoc  meutern  Commentatöris,  imo  est  recte  opinio
Avempace,  quam  Commentator  improbat.  Ille  enim  Avempace  posuit,
            
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