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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

des  Leibes,  sondern  unmittelbar  für  das  Leben  desselben  zu
halten  habe.  Er  macht  sich  wohl  selber  den  Einwurf,  dass
man  ja  das  Leben  des  Leibes  als  Wirkung  der  Seele  ansehen
könnte,  hält  aber  diese  Auskunft  für  verfehlt,  da  die  Seele
für  diesen  Fall  nicht  als  Wesensform,  sondern  bloss  als  Beweger
des  Leibes,  1  andererseits  aber  ihrem  creatürlichen  Charakter
entgegen  sogar  als  schöpferisches  Princip  erscheinen  würde.
Zu  dieser  Behauptung  konnte  aber  Aureolus  nur  desshalb
kommen,  weil  er  den  sinnlichen  Stoff  als  etwas  an  sich  Todtes
ansah,  welches  erst  durch  eine  nachträglich  hinzukom  inende
Seele  Leben  erhalten  könne.  Ist  die  sichtbare  Naturwirklichkeit
überhaupt  etwas  Lebendiges  und  das  Sterben  und  Vergehen
des  Einzelnen  nichts  anderes  als  ein  Herabsinken  des  sich
zersetzenden  Stoffgebildes  aus  einer  höhergesteigerten  Lebensform ­
  zu  einer  niederen,  in  welcher  das  entseelte  Gebilde  dem
Wechselspiele  der  ihrer  höheren  Bindung  verlustig  gegangenen
Kräfte  des  Stoffes  preisgegeben  erscheint,  so  hat  man  die
menschliche  Seele  nicht  als  Schöpferin  einer  im  Stoffe  als
solchem  gar  nicht  vorhandenen  Lebendigkeit,  sondern  als
Wirkungsprincip  anzusehen,  kraft  dessen  die  dem  Stoffe  immanente ­
  Lebendigkeit  zur  Auswirkung  der  dem  Wesen  der  Seele
congruirenden  Leibesbildung  determinirt  wird,  was  nicht  geschehen ­
  kann,  ohne  dass  die  Seele  den  lebendigen  Stoff  innerlich ­
  fasst  und  die  Wirkungskräfte  desselben  bis  auf  einen  bestimmten ­
  Grad  sich  zu  eigen  nimmt.  Damit  wird  aber  nicht
die  dem  Stoffe  immanente  Lebendigkeit  aufgehoben;  diese  ist
vielmehr  die  Möglichkeitsbedingung  der  Fassbarkeit  des  Stoffes
für  die  Seele.  Auch  kann  die  Seele  nicht  jedweden  Stoff  beseelen, ­
  sondern  nur  denjenigen,  der  zur  Reception  der  von  der
Seele  ausgehenden  assimilativen  Wirkungen  eigenartig  zubereitet
ist.  Ferner  darf  die  Lebendigkeit  des  von  der  Seele  innerlich
zu  fassenden  Stoffes  nicht  bis  zu  einem  Grade  gesteigert  sein,
zufolge  dessen  er  dem  Gefasstwerden  durch  die  Seele  widerstreben ­
  würde.  JDaher  kann  die  Einigung  von  Seele  und  Leib
im  Menschen  nicht  etwa  als  Verbindung  von  Engel  und  Thier
gedacht  werden,  wobei  nebstbei  auch  die  in  der  Idee  des

1  Anima  tune  non  vivificaret  formaliter  sed  effective,  et  non  uniretur  corpori
  ut  forma  sed  ut  motor,  et  habebit  se  sieut  sigillum  ad  ceram.  Ibid.
            
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