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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  Averroismus  in  der  ckriBtlick-peripatetiscken  Peyckologie.

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Auflösung  des  Leibes  zu  Grunde  gehen  müsste. 1  Die  dem
Denken  des  Aureolus  sich  aufdrängende  Schwierigkeit  betrifft
also  nur  den  Umstand,  dass  dasjenige,  was  als  Actus  eines
Anderen  zu  denken  ist,  von  diesem  Anderen  losgetrennt  soll
existiren  können;  diess  ist  für  uns  allerdings  unbegreiflich,
aber  man  ist  nicht  berechtiget,  es  als  unmöglich  zu  erklären.  2
Auch  das  Bedenken,  dass  die  Seele  als  Actus  corporis  an  der
Ausdehnung  des  Körpers  theilhaben  und  desshalb  auflöslich
sein  müsse,  ist  nicht  stichhältig;  die  menschliche  Seele  ist
keine  aus  dem  Stoffe  durch  ein  natürliches  Agens  edueirte
Form,  sondern  wird  unmittelbar  durch  Gott  geschaffen,  und
Gott  kann  ihr  eine  Perfection  verleihen,  welche  sie  zufolge
eines  rein  natürlichen  Ursprunges  nicht  haben  könnte.
Vergleichen  wir  diese  Ausführungen  des  Aureolus  mit
der  anthropologischen  Grundanschauung  des  Duns  Scotus,  so
fallt  bei  ersterem  die  durch  die  Lehrentscheidung  des  Viennensischen
  Concils  bewirkte  Modification  der  Lehrtradition  des
Franciscanerordens  in’s  Auge;  er  bekennt  ausdrücklich,  dass
im  Menschen  actuell  nur  Eine  Wesensform  vorhanden  sein
könne,  womit  die  scotistische  Annahme  einer  vom  seelischen
Informationsprincipe  unterschiedenen  Seinsform  des  Leibes
entfällt.  3  Diese  Modification  erscheint  jedoch  nicht  als  innere
Umwandlung,  sondern  als  ein  unvermittelter  Umschlag  aus  der
Annahme  einer  Naturzweiheit  im  Menschen  in  die  Assertion
des  Gegeutheils  in  Verbindung  mit  einer  fast  gewaltsamen
Niederhaltung  der  geistig  nicht  überwundenen  dualistischen
Auffassungsweise.  Aureolus  erklärt,  dass  man  im  Sinne  des
Viennenser  Concils  die  Seele  nicht  bloss  für  das  Lebensprincip

'  In  perfectionibus  puris  sive  formis  sunt  gradus  aliqui,  ut,  si  perfectio
est  extensa,  possit  attingi  ab  agente  naturali  quanto,  cujus  nihil  est
attingere  nisi  quantuni.  Si  vero  forma  et  perfectio  sit  inexteusa,  necesse
est,  quod  non  possit  attingi  ab  agente  quanto  et  naturali.  Ibid.
2  Non  est  aliquod  inconveniens,  rem  imperfectam  interminatam  fieri  per
divinam  potentiain  per  se,  licet  illud  non  possit  intqllectus  noster  intelligere.
  Ibid.
3  Dico  quod  unius  rei  tma  est  forma,  quae  est  actus  ultimatus.  feed  quin
in  animato  —  fügt  er  bei  —  sit  aliqua  realitas  ab  auima,  quae  est  actus
ultimatus,  quae  quidein  realitas  sit  in  actu  medio  permixto  potentiae,  hoc
inquam  non  est  impossibile,  unde  scilicet  int-er  inateriam  primam  et  ultimam
formam  oniuis  similis  materia  est  composita.  4  dist.  11,  art.  1.
            
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