Der Averroismus in der ckriBtlick-peripatetiscken Peyckologie.
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Auflösung des Leibes zu Grunde gehen müsste. 1 Die dem
Denken des Aureolus sich aufdrängende Schwierigkeit betrifft
also nur den Umstand, dass dasjenige, was als Actus eines
Anderen zu denken ist, von diesem Anderen losgetrennt soll
existiren können; diess ist für uns allerdings unbegreiflich,
aber man ist nicht berechtiget, es als unmöglich zu erklären. 2
Auch das Bedenken, dass die Seele als Actus corporis an der
Ausdehnung des Körpers theilhaben und desshalb auflöslich
sein müsse, ist nicht stichhältig; die menschliche Seele ist
keine aus dem Stoffe durch ein natürliches Agens edueirte
Form, sondern wird unmittelbar durch Gott geschaffen, und
Gott kann ihr eine Perfection verleihen, welche sie zufolge
eines rein natürlichen Ursprunges nicht haben könnte.
Vergleichen wir diese Ausführungen des Aureolus mit
der anthropologischen Grundanschauung des Duns Scotus, so
fallt bei ersterem die durch die Lehrentscheidung des Viennensischen
Concils bewirkte Modification der Lehrtradition des
Franciscanerordens in’s Auge; er bekennt ausdrücklich, dass
im Menschen actuell nur Eine Wesensform vorhanden sein
könne, womit die scotistische Annahme einer vom seelischen
Informationsprincipe unterschiedenen Seinsform des Leibes
entfällt. 3 Diese Modification erscheint jedoch nicht als innere
Umwandlung, sondern als ein unvermittelter Umschlag aus der
Annahme einer Naturzweiheit im Menschen in die Assertion
des Gegeutheils in Verbindung mit einer fast gewaltsamen
Niederhaltung der geistig nicht überwundenen dualistischen
Auffassungsweise. Aureolus erklärt, dass man im Sinne des
Viennenser Concils die Seele nicht bloss für das Lebensprincip
' In perfectionibus puris sive formis sunt gradus aliqui, ut, si perfectio
est extensa, possit attingi ab agente naturali quanto, cujus nihil est
attingere nisi quantuni. Si vero forma et perfectio sit inexteusa, necesse
est, quod non possit attingi ab agente quanto et naturali. Ibid.
2 Non est aliquod inconveniens, rem imperfectam interminatam fieri per
divinam potentiain per se, licet illud non possit intqllectus noster intelligere.
Ibid.
3 Dico quod unius rei tma est forma, quae est actus ultimatus. feed quin
in animato — fügt er bei — sit aliqua realitas ab auima, quae est actus
ultimatus, quae quidein realitas sit in actu medio permixto potentiae, hoc
inquam non est impossibile, unde scilicet int-er inateriam primam et ultimam
formam oniuis similis materia est composita. 4 dist. 11, art. 1.