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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Der  ArerroiBmuB  in  der  ehriBtlich-peripatetischen  Psychologie.

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Sinne  wie  die  Anima  als  Lebensprincip  Perfectionen  des  Menschen
sind.  In  der  That  ist  es  der  Philosophie  bis  jetzt  nicht  gelungen
zu  erweisen,  dass  die  Anima  intelleetiva  in  demselben  Sinne
wie  die  natürlichen  Formen  der  Körperdinge  Wesensform  des
Menschen  sei.  Es  ist  auch  höchst  schwierig,  sich  vorstellig  zu
machen,  in  welcher  Weise  Leib  und  Seele  ein  Unum  constituiren
  sollen;  es  ist  indess  nicht  unmöglich,  wofern  man  daran
festhält,  dass  beide  in  ihrer  Einigung  als  zwei  actuell  differente
Naturen  verharren.  Die  Einigung  beider  vollzieht  sich  in  der
durch  das  Zusammenwirken  des  Intellectus  und  der  Phantasia
bedingten  Thätigkeit  des  Intelligere,  *  deren  Indivisio  bis  zu
einem  gewissen  Grade  auch  eine  Indivisio  der  durch  das  Zusammensein ­
  von  Leib  und  Seele  constituirten  Existenz  nach
sich  zieht.  Dieses  Resultat  des  natürlichen  Denkens  muss
jedoch  umgeformt  werden  nach  den  Normen  der  auf  dem  Concil
von  Vienne  (a.  1311)  getroffenen  Entscheidung,  welcher  gemäss
Leib  und  Seele  ein  Unum  in  jenem  Sinne  bilden,  wie  der  Stoß
und  die  Form  eines  Wachses,  so  dass  die  menschliche  Seele
gleich  allen  anderen  Wesensformen  nur  eine  Actuation  und
Formation  des  Leibes  sei,  und  zufolge  der  Unbegreiflichkeit
dieses  Verhältnisses  zwischen  Leib  und  Seele  auf  eine  rationale
Erweisung  desselben  verzichtet  werden  müsse. 2  Mau  muss
wohl  in  der  durch  Leib  und  Seele  constituirten  actuellen  Einheit
eine  potentielle  Zweiheit  zulassen,  weil  sonst  die  vom  Leibe
unabhängige  Fortdauer  der  Seele  nach  dem  Leibestode  unerklärlich ­
  bliebe;  der  Gedanke  aber  an  eine  actuelle  Zweiheit
im  Menschen  muss  schlechthin  aufgegeben  werden.
Das  Concil  von  Vienne,  auf  dessen  Entscheidung  sich
Aureolus  beruft,  hatte  definirt,  die  Anima  rationalis  seu  intellectualis
  sei  per  se  et  essentialiter  forma  corporis  humani.
1  Nunquam  intellectus  potentialis  actu  intelligit,  nisi  intentio  iutellecta
objective  fundetur  in  intentione  imaginata;  qui  enim  necessario  iiitelligit
universale,  necessario  intelligit  illud  in  particulari  aliquo,  sicut  lineara
simpliciter  intelligendo  in  hac  linea,  puta  pedali,  vel  aliqua  alia  linea
particulari,  ut  Philosophus  dicit  de  Memoria  et  Reminiscentia.  2  dist.  16,
art.  1.
2  Sicut  non  est  quaerenda  causa,  quare  ex  cera  et  figura  fiat  unum,  sic
non  est  quaerenda  causa,  quare  unum  fiat  ex  aiiima  et  corpore.  2  dist.
16,  art.  2.

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