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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Werner.

Lehre  von  der  numerischen  Einheit  aller  Menschenintelleete
eine  derartige  Remedur  zulasse,  dass  sich  dabei  noch  immer
das  Grundmotiv  des  averroistisehen  Dualismus,  das  Geistige
im  Menschen  in  seinem  reinen  Ansichsein  und  in  vollkommener
Unabhängigkeit  vom  sinnlich-leiblichen  Wesen  des  Menschen
zu  fassen,  festhalten  liess.  Und  gesetzt,  dass  diess  als  möglich
erschien,  entstand  weiter  die  Frage,  in  welchem  Verhältniss
die  im  christlichen  Sinne  berichtigte  averroistische  Anthropologie
zur  herkömmlichen  christlichen  Auflassung  des  Menschenwesens
stehe,  und  ob  es  erlaubt  sei,  dieselbe  in  averroistischem  Sinne
umzubilden.  Die  Erörterungen  hierüber  waren  überdiess  mit
anderen  über  den  wahren  und  eigentlichen  Sinn  der  averroistischen
  Lehre  und  ihres  Verhältnisses  zur  aristotelischen  Anthropologie ­
  verflochten.  So  kam  es  in  der  nachscotistischen  Scholastik ­
  zu  sehr  lebhaften  und  eingehenden  Verhandlungen  über
Art  und  Grad  der  Zulässigkeit  und  Verwendbarkeit  der  averroistischen
  Anthropologie  auf  christlichem  Standpunkte,  wobei
eine  nicht  geringe  Mannigfaltigkeit  von  Ansichten  zu  Tage
trat,  deren  Darlegung  und  Auseinandersetzung  den  Inhalt  dieser
Abhandlung  bildet.  Dieselbe  gliedert  sich  in  drei  Hauptpartien,
in  deren  erster  die  Anschauungen  einzelner  Theologen,  welche
auf  irgend  eine  Weise  mit  der  averroistisehen  Anthropologie
und  Psychologie  sich  zurechtzusetzen  suchten  (Aureolus,  Johann
von  Baconthorp),  dargelegt,  in  der  zweiten  der  Averroismus
der  Paduaner  Schule  in  deren  speciellem  Verhältniss  zu  den
christlich-kirchlichen  Lehranschauungen  auf  anthropologischpsychologischem ­
  Gebiete,  in  der  dritten  die  (namentlich  an
Augustinus  Niphus  sich  darstellende)  Selhstcorrectur  und  relative
Umbildung  des  Paduaner  Averroismus,  der  damit  aufhörte,
eine  acute,  brennende  Frage  zu  sein,  vorgeführt  werden  soll.
I.
Aureolus  1  knüpft  auf  psychologischem  Gebiete  zunächst
an  seinen  Ordensgenossen  Duns  Scotus  an,  wenn  er  die  Sub-1
  Petrus  Aureolus,  nach  herkömmlicher  Annahme  zu  Verberie  sur  Oise  geboren, ­
  lehrte  c.  a.  1312  in  Paris  Theologie,  wurde  hierauf  Provinzial  der
Ordensprovinz  Guienne,  und  soll  später  Erzbischof  von  Abc  gewesen  sein.
Sein  Todesjahr  ist  ungewiss  (nach  Dutems  nicht  vor  1345  anzusetzen).
            
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