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Werner.
Lehre von der numerischen Einheit aller Menschenintelleete
eine derartige Remedur zulasse, dass sich dabei noch immer
das Grundmotiv des averroistisehen Dualismus, das Geistige
im Menschen in seinem reinen Ansichsein und in vollkommener
Unabhängigkeit vom sinnlich-leiblichen Wesen des Menschen
zu fassen, festhalten liess. Und gesetzt, dass diess als möglich
erschien, entstand weiter die Frage, in welchem Verhältniss
die im christlichen Sinne berichtigte averroistische Anthropologie
zur herkömmlichen christlichen Auflassung des Menschenwesens
stehe, und ob es erlaubt sei, dieselbe in averroistischem Sinne
umzubilden. Die Erörterungen hierüber waren überdiess mit
anderen über den wahren und eigentlichen Sinn der averroistischen
Lehre und ihres Verhältnisses zur aristotelischen Anthropologie
verflochten. So kam es in der nachscotistischen Scholastik
zu sehr lebhaften und eingehenden Verhandlungen über
Art und Grad der Zulässigkeit und Verwendbarkeit der averroistischen
Anthropologie auf christlichem Standpunkte, wobei
eine nicht geringe Mannigfaltigkeit von Ansichten zu Tage
trat, deren Darlegung und Auseinandersetzung den Inhalt dieser
Abhandlung bildet. Dieselbe gliedert sich in drei Hauptpartien,
in deren erster die Anschauungen einzelner Theologen, welche
auf irgend eine Weise mit der averroistisehen Anthropologie
und Psychologie sich zurechtzusetzen suchten (Aureolus, Johann
von Baconthorp), dargelegt, in der zweiten der Averroismus
der Paduaner Schule in deren speciellem Verhältniss zu den
christlich-kirchlichen Lehranschauungen auf anthropologischpsychologischem
Gebiete, in der dritten die (namentlich an
Augustinus Niphus sich darstellende) Selhstcorrectur und relative
Umbildung des Paduaner Averroismus, der damit aufhörte,
eine acute, brennende Frage zu sein, vorgeführt werden soll.
I.
Aureolus 1 knüpft auf psychologischem Gebiete zunächst
an seinen Ordensgenossen Duns Scotus an, wenn er die Sub-1
Petrus Aureolus, nach herkömmlicher Annahme zu Verberie sur Oise geboren,
lehrte c. a. 1312 in Paris Theologie, wurde hierauf Provinzial der
Ordensprovinz Guienne, und soll später Erzbischof von Abc gewesen sein.
Sein Todesjahr ist ungewiss (nach Dutems nicht vor 1345 anzusetzen).