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Keiniscb.
Bestimmt wissen wir einen solchen Fall vom Volke der Algeden,
welche derzeit eifrige Muslims sind und nur im Tigrö sprechen,
trotzdem aber von den Kunama als ihre Brüder angesehen
werden. ’
Wir sehen also gerade hier im Nordwesten vom heutigen
Kunama-Lande noch deutlich, wie die ehemalige Verbindung der
Kunama mit ihren nächsten Raceverwandten, welche gewiss nur
von den eindringenden Semiten gegen die oberen Nilländer
zurückgetrieben worden sind, unterbrochen und zerrissen wurde.
Denn der gegenwärtigen Isolirung der Kunama, da dieselben
mit keinem jetzt in Nordost-Afrika sesshaften Volke weder in
sprachlicher noch physischer Beziehung irgend einen Zusammenhang
zeigen, muss eine Epoche vorausgegangen sein, in welcher
neben ihnen andere Völker gleichen Ursprungs gehaust haben.
Die physischen Merkmale der Kunama — sie sind dolichocephal,
mit schmutzig schwarzer Hautfarbe, ein wenig aufgeworfenen
Lippen und sehr stark nach vorn gerichtetem
Gebiss, aufgestülpter Nase, grossem Mund und mächtig entwickeltem
Unterkiefer, spärlichem Bartwuchs, die Extremitäten
mager und wenigstens beim männlichen Geschlecht gänzliches
Fehlen der Waden, charakteristisch ist beiden Geschlechtern
die sehr stark geneigte Stellung des Beckens 2 — machen dieses
Volk beim ersten Blick als der afrikanischen Urrace angehörig
sofort erkenntlich, welche, wenn man die Kunama und das
kleine Völkchen der Barea abrechnet, derzeit aus ganz Nordostafrika
durch die Semiten völlig verdrängt ist und erst am
oberen Nil wieder beginnt und dort ohne nennenswerthe Unterbrechung
durch semitische Einschiebungen sich fortsetzt.
Auch die Sitten und Gebräuche der Kunama, von den
der übrigen Völker Nordost-Afrikas (die Barea abgerechnet)
völlig abweichend, treffen wir vielfach wieder bei Völkern am
Nil und den Nubiern in Kordofan; ich erinnere bezüglich der
Gebräuche beispielsweise nur an das oben geschilderte eigenthümliche
Erbrecht der Kunama, welches allgemein auch in
1 Vgl. auch Hunzinger, Ostafrikanische Studien, S. 432.
2 Diese Characteristica gelten für die Kunama des Inlandes von Betkoni
nach Süden zn, während die nördlichen Nachbarn der Barea bei Tendere,
Samero u. s. w. in Folge von Wechselheiraten mit diesen vielfach dem
Barea-Typus ztineigen.