Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

Die  Classe  der  Wahrhaftigen  in  China.

989

Der  Gast  fragte  wieder,  welche  von  den  drei  Lehren  die
bessere  sei.  Sse-khien  sprach:  Die  Lehre  Buddha’s  ist  die
Sonne.  Die  Lehre  des  Weges  ist  der  Mond.  Die  Lehre  der
Gelehrten  sind  die  fünf  Sterne.  —  Der  Gast  war  nicht  fähig,
ihn  zu  widerlegen  und  stand  ab.
Sse-khien  sagte  sein  ganzes  Leben  hindurch  -Gedichte  her,
welche  er  in  dem  Busen  trug.  Plötzlich  vernichtete  er  das
Buch,  ohne  dass  er  es  den  Menschen  gezeigt  hätte.  Er  erörterte ­
  einst  die  Strafen,  doch  die  Schrift,  welche  er  hinterliess,
ist  nicht  vorhanden.  Man  brachte  es  in  eine  kurze  Fassung,
welche  lautete:
In  den  Einrichtungen  und  Vorschriften  der  Kaiser  und
Könige  stimmen  die  Abänderungen  nicht  überein.  Man  kann
verringern  und  vermehren,  es  ist  nicht  der  Fall,  dass  man
hastig  wechselt.  In  den  gegenwärtigen  Kammern  ist  das
schwerste  der  Tod.  Man  übt  dadurch  Härte,  aber  schreckt
nicht  ab.  Ein  Wort  sagt:  Wenn  ein  Mensch  den  Tod  nicht
fürchtet,  kann  man  ihm  nicht  durch  den  Tod  Furcht  einflössen.
Ich  bin  der  Meinung,  man  solle  sich  bei  diesen  Verbrechen
au  die  Leibesstrafen  halten.  Man  haue  einen  Fuss  ab.  Bei
nochmaliger  Uebertretung  haue  man  die  rechte  Handwurzel
ab.  Statt  der  Strafe  der  Verbannung  entferne  man  drei  Finger
der  rechten  Hand.  Bei  nochmaliger  Uebertretung  bringe  man
die  Handwurzel  herab.  Bei  kleinen  Diebstählen  soll  man  mit
Tinte  brandmarken.  Bei  nochmaliger  Uebertretung  mache  man
drei  Finger,  welche  gebraucht  wurden,  herabfallen.  Folgt  wieder
keine  Unterlassung,  so  bringe  man  die  Handwurzel  herab.  In
keinem  Falle  höre  man  auf.  Dass  man  die  unverlässlichen
Menschen  nach  den  Gränzgegenden  verbannt,  bewerkstelligt
ausschliesslich  Stufen  des  Aufruhrs.  Man  ruft  dadurch  zufällig
die  westlichen  Fremdländer  herbei.  Es  ist  nicht  der  Weg,
auf  welchem  man  Ordnung  zu  schaffen  trachtet.  Spiel  und
leichtsinniger  Wandel  sind  die  Keime  der  Diebstähle.  Man
verbietet  sie,  aber  tliut  ihnen  nicht  Einhalt.  Wenn  man  mit
Tinte  brandmarkt,  so  kann  man  es.  —  Die  Verständigen  waren
ziemlich  der  Meinung,  dass  er  das  Wesen  des  Vorgehens  erkannt ­
  habe.
Li-sse-khien  starb  im  achten  Jahre  des  Zeitraumes  Khaihoang
  (588  n.  Chr.)  in  seinem  Hause.  Er  war  um  die  Zeit
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.