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R e in i sch.
Ein grösseres Interesse als Einleitung zur Sprache eines
Volkes bietet die Frage nach dessen Herkunft und verwandtschaftlichen
Beziehungen zu andern Völkern. Wirft man einen
Blick auf die Gebiete, welche das Kunama-Volk gegenwärtig
innehat, so springen zwei Thatsachen von selbst in das Auge
des Betrachters: die Kunama bewohnen ein schwer zugängliches,
wenig anlockendes Gebirge, theilweise auch Hochgebirge,
und sind ferner von allen Seiten, mit Ausnahme einer kurzen
Strecke im Norden, wo die Barea angrenzen, von semitischen
Einwanderern, Tigre und Amhara, eingeschlossen.
Aus diesen zwei Thatsachen darf wohl vermuthet werden,
dass die Kunama jenes unwirthliche Gebirgsland schwerlich
aus freiem Antriebe gegen die fruchtbaren Ebenen und Niederungen
an den Flüssen vertauscht haben, sondern in Folge
Vordringens semitischer Einwanderer von allen Seiten bedrängt,
dorthin sich zurückziehen mussten.
Hierzu kommt noch eine dritte, ebenso wesentliche Thatsache:
die Kunama sind fast ausschliesslich nur Ackerbauer
und betreiben die Viehzucht gerade so weit, um eben ausreichend
Milch und Butter zu ihrer Polenta zu erzielen. Ihr
Hauptnahrungszweig ist nicht Fleisch, sondern nur Korn,
woraus sie eine Art Polenta machen; ausserdem bildet ihre
tägliche Nahrung das bekannte vortreffliche Kunama-Bier,
welches sie stark zu brauen verstehen und meist mit dem
dicken Malz vermengt trinken.
Diese Gebirge jedoch, welche die Kunama bewohnen,
eignen sich aber meist nur für Viehzucht, dagegen wenig für
den Ackerbau, und gerade in diesem letztem Zweige übertreffen
die Kunama bezüglich rationeller und hingebender Behandlung
des Bodens weitaus alle umwohnenden Völker, von denen
z. B. die Tigre, obwohl über die fruchtbaren Niederungen im
Barka verbreitet, erst jetzt allmälig vom Nomadenleben zum
Ackerbau überzugehen im Begriffe stehen. Der reiche Ertrag
des Bodens im Barka, der bei wenig Pflege stets grossen und
sichern Erntesegen bringt, veranlasst also die Tigre, ihr ihnen
lieb gewordenes, ungebundenes Nomadenleben aufzugeben und
sich sesshaft zu machen. Wären demnach die Kunama in ihr
jetziges steiniges Gebirgsland den Tigre gleich als Nomaden
eingezogen, nie wären sie dann bei den obwaltenden Boden-