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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 98. Band, (Jahrgang 1881)

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Reiiiisch.

dasselbe  mit  Butter,  Milch  und  Honig  angefüllt.  Neben  dem
Bassin  wird  ein  Angareb 1  aufgestellt  als  Sitz  für  den  Hegenherrn. ­
  Sind  nun  alle  Vorbereitungen  zu  dessen  Empfang  getroffen, ­
  so  tritt  der  Regenherr  aus  seinem  Hause  und  schreitet
in  den  Kreis  der  ihn  empfangenden  Greise;  einer  derselben
giesst  dann  einen  Topf  voll  zerlassener  Butter  über  dem  Haupte
des  Regenherrn  aus,  um  hierdurch  reichen  Erntesegen  für  das
beginnende  Jahr  zu  inauguriren.
Der  Regenherr  hält  in  seiner  Hand  ein  Gefass  mit  der
,Arznei  für  den  Himmel'.  Diese  Arznei  besteht  in  Extracten
aus  verschiedenen  Pflanzen  mit  ätzendem  Safte.  Den  Inhalt
dieses  Gefässes  giesst  nun  der  Regenherr  in  das  erwähnte
volle  Bassin,  taucht  dann  einen  Sprengwedel  in  diese  Flüssigkeit ­
  und  sprengt  damit  gegen  den  Himmel  nach  allen  vier
Richtungen  desselben:  Butter,  Honig  und  Milch  bezwecken,
das  Himmelsgewölbe  weich  und  schmiegsam  zu  machen,  und
der  ätzende  Pflanzensaft  frisst  dann  allmälig  in  diese  erweichte
Decke  an  verschiedenen  Stellen  Löcher,  durch  welche  der
hinter  der  Himmelsdecke  angesammelte  Regen  sich  hindurclizwängt,
  schliesslich  die  Decke  selbst  zerreisst  und  dann  die
Fülle  des  Regens  über  die  Erde  sich  ergiesst.
Nach  dieser  heiligen  Function  streckt  der  Regenherr  seinen
Körper  auf  das  Angareb  hin,  um  sich  von  seiner  himmelstürmenden ­
  Arbeit  auszuruhen.  Kommt  er  hiebei  auf  eine
Seite  des  Körpers  zu  ruhen,  so  ist  dies  ein  Vorzeichen,  dass
nur  Strichregen  eintreten  werden;  legt  er  sich  aber  auf  die
breite  Fläche  des  Rückens,  dann  steht  ein  allgemein  befruchtender ­
  Landregen  in  sicherer  Aussicht.  Lautes  Freudengeschrei
des  assistirenden  Volkes  erfüllt  dann  weithin  vernehmbar  die
Lüfte,  und  indem  eigens  hierzu  aufgestellte  Wächter  den  Signalruf ­
  von  Berg  zu  Berg  weiter  senden,  ist  in  wenigen  Stunden
das  ganze  Land  in  Kenntniss  der  frohen  Verheissung  vom
heiligen  Berge  Koita.
Nach  Beendigung  dieser  Ceremonie  wird  der  Regenherr
in  sein  Haus  zurückgebracht  und  er  darf  nun  dasselbe  durch
1  Das  in  ganz  Nordost-Afrika  gebrauchte  tragbare  Bettgestell  (Sudan-Arab.
  ^  die  beiden  Seitenbalken  der  Oberseite  sind  durch  ein
Geflecht  aus  Kuhhautriemen  mit  einander  verbunden;  der  Kunania-Ausdnick
  dafür  ist  ardnta,  dem  Tigre  h/f'l'  •  entlehnt.
            
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