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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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B  ü  d  i  n  g  o  r.

bringt,  werden,  o  Eurich,  Deine  Kräfte  erbeten,  damit  die
starke  Garonne  durch  den  an  ihr  hausenden  Kriegsgott  den
schwachen  Tiber  vertheidigeh 1  Man  darf  hier  vielleicht  an
die  germanischen  Schaaren,  die  Odovakar  erhoben,  vielleicht
auch  an  die  Rügen  denken,  welche  dieser  notorisch  im  Donaulande ­
  im  Jahre  487  besiegt  hat,  vielleicht  endlich  an  die  Burgunden,
  welche  zu  einer  uns  unbekannten  Zeit,  zum  ersten
Male  wahrscheinlich 2  im  Jahre  476,  Ligurien  besetzten.  Sidonius
aber  hatte,  wie  man  sieht,  seine  Ansichten  über  das,  was  dem
Römer  dem  Germanen  gegenüber  zieme  und  über  die  Fähigkeiten ­
  des  Herrschervolkes  in  den  beiden  letzten  Jahrzehnten
gründlich  geändert! 3
Sein  Gedicht  an  Eurich  vergleicht  er  in  dem  Begleitschreiben ­
  einem  Schwanengesange,  weil  es  in  Leiden  (poenis)
entstanden  sei  —  er  nennt  es  einen  Scherz,  den  er  unter
Seelenpeinen  aufgezeichnet  habe.  Aber  ganz  abgesehen  von
dem  Verhängnisse,  in  das  er  sich  in  dieser  Epoche  des  Verschwindens ­
  des  Römerreiches  zu  finden  weiss,  bietet  seiner,
grossen  Eindrücken  zugänglichen  und  mit  historischer  Kunde
genährten  Seele  der  westgothische  Hof  von  Bordeaux  einen
zu  dichterischen  Schilderung 1  ladenden  Anblick.  Mit  scharfem
1  Hinc,  Romane,  tibi  petis  salutem:
Et  contra  Scythicae  plagae  catervas,
Si  quos  Parrhasis  ursa  fert  tumultus,
Eorice,  tuae  manus  rogantur,
Ut  Martern  validus  per  inquilinum
Defenset  tenuem  Garumna  Tybrim.
2  Binding  101.
3  Wo  sind  die  Zeiten  hin,  da  Sidonius  (Epist.  VIII,  3  [7]  p.  409)  es  Namatius
  zum  Vorwurf  machte,  quod  victoris  populi  (der  Gothen)  signa
comitaris!  Oder  da  er,  vielleicht  noch  in  Kaiser  Majorianus’  Zeiten,  einem
frühem  Studiengenossen,  in  dankbarer  Erinnerung  an  die  Unterweisungen
ihres  Lehrers  sich  die  intellectuelle  Unfähigkeit  der  Germanen  mit  den
stärksten  Farben  malte:  quae  si  quis  deportaret  philosophaturus  aut  ad
paludicolas  Sicambros  aut  ad  Caucasigenas  Alanos  aut  ad  equimulgas
Gelonos,  bestialium  rigidarumque  nationum  corda  cornea  fibraeque
  glaciales  procul  dubio  emollirentur  egelidarenturque:  neque  illorum
ferociam  stoliditatemque,  quae  secundum  belluas  ineptit,  brutescit,  accenditur,
  videremus,  contemneremus,  pertimesceremus.  Epist.  IV,  2  (1)  p.  268.
4  Sirmond  (notae  144)  urtheilt  denn  auch  über  das  Gedicht:  poema  .  .  •
oppido  elegans  atque  ad  co  tuendam  aulae  Gothicae  amplitudinem  aptissimum.


            
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