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B ü d i n g o r.
Gewalt zu voller Unabhängigkeit; selbst bis zu ganz ruhigem
Verlaufe eines Schisma, 1 überaus förderlich gewesen ist. Odovakar
hat bei der einzigen Papstwahl, die unter seiner Regierung
stattfand, der Felix III., thätig eingegriffen, aber schon
der Vorgänger desselben, der heilige Simplicius, konnte unter
Odovakar’s Schutze eben im Jahre 477 am 8. October dem
Kaiser, neben dem Glückwünsche zu seiner Wiederherstellung,
die Wiederaufrichtung der katholischen Ordnungen in Alexandria
gebieterisch zur Pflicht machen 2 und auch im folgenden
Jahre 478 seine Autorität gegenüber den Häresien des Ostens
wiederholt zur Geltung bringen.
Wenn daher jene vier von Sidonius genannten Bischöfe,
wie früher schon namentlich Graecus im Vertrauen des Kaisers
Nepos, 3 mit Vertragsunterhandlungen zwischen Odovakar und
Eurich beauftragt wurden, so ist das nunmehr sowohl nach
ihren Wohnsitzen wie nach ihrer Stellung ganz begreiflich.
Wie weit Sidonius’ Wunsch, dass vertragsmässig die bischöflichen
Wahlen, die Priesterweihe und die Aufnahme der Seelsorgepflichten
den Katholiken wieder gestattet werden möchten,
thatsächliche Erfüllung fand, lässt sich freilich nicht sagen.
Darf man weiter Prokop’s Meldung wörtlich nehmen, so
habe Odovakar den Vertrag über die Abtretung des Landes
bis zu den Seealpen an die Westgothen, bald nachdem er zur
Herrschaft gelangt war, 4 geschlossen oder doch die Besetzung
des Landes durch die Westgothen gutgeheissen. 5 Ich bin daher
auch geneigt anzunehmen, dass die erste Besitznahme des
Landes bis zu den Seealpen durch Eurich, nach Nepos’ Verdrängung
aus Italien im August 475, in, eben dieses Jahr 475
oder das folgende 476, sonach vor den grossen Feldzug Eurich’s
nach Spanien im Jahre 477 11 gehört.
Dass aber seit etwa dieser Zeit für die Katholiken mindestens
keine weitere Verfolgung eintrat, lässt sich aus Sidonius’
1 Darüber habe ich mich, Eugipius S. 809 flgde, wohl genügend geäussert.
2 Jaffe reg. n. 344.
3 Vgl. oben S. 938 und 945.
4 t/)V rcoXiTslav ic Tupavvfoa |j.ereßaXX£.
5 xoü xupavvou aepfaiv evBioorcos.
G Dahn V, 97 flgde, wo sich denn auch die für die folgenden Jahre gerathenen
Eroberungen in Südgallien notiert finden.