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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

948

B  ü  d  i  n  g  o  r.

Gewalt  zu  voller  Unabhängigkeit;  selbst  bis  zu  ganz  ruhigem
Verlaufe  eines  Schisma, 1  überaus  förderlich  gewesen  ist.  Odovakar
  hat  bei  der  einzigen  Papstwahl,  die  unter  seiner  Regierung ­
  stattfand,  der  Felix  III.,  thätig  eingegriffen,  aber  schon
der  Vorgänger  desselben,  der  heilige  Simplicius,  konnte  unter
Odovakar’s  Schutze  eben  im  Jahre  477  am  8.  October  dem
Kaiser,  neben  dem  Glückwünsche  zu  seiner  Wiederherstellung,
die  Wiederaufrichtung  der  katholischen  Ordnungen  in  Alexandria ­
  gebieterisch  zur  Pflicht  machen 2  und  auch  im  folgenden
Jahre  478  seine  Autorität  gegenüber  den  Häresien  des  Ostens
wiederholt  zur  Geltung  bringen.
Wenn  daher  jene  vier  von  Sidonius  genannten  Bischöfe,
wie  früher  schon  namentlich  Graecus  im  Vertrauen  des  Kaisers
Nepos, 3  mit  Vertragsunterhandlungen  zwischen  Odovakar  und
Eurich  beauftragt  wurden,  so  ist  das  nunmehr  sowohl  nach
ihren  Wohnsitzen  wie  nach  ihrer  Stellung  ganz  begreiflich.
Wie  weit  Sidonius’  Wunsch,  dass  vertragsmässig  die  bischöflichen ­
  Wahlen,  die  Priesterweihe  und  die  Aufnahme  der  Seelsorgepflichten ­
  den  Katholiken  wieder  gestattet  werden  möchten,
thatsächliche  Erfüllung  fand,  lässt  sich  freilich  nicht  sagen.
Darf  man  weiter  Prokop’s  Meldung  wörtlich  nehmen,  so
habe  Odovakar  den  Vertrag  über  die  Abtretung  des  Landes
bis  zu  den  Seealpen  an  die  Westgothen,  bald  nachdem  er  zur
Herrschaft  gelangt  war, 4  geschlossen  oder  doch  die  Besetzung
des  Landes  durch  die  Westgothen  gutgeheissen. 5  Ich  bin  daher ­
  auch  geneigt  anzunehmen,  dass  die  erste  Besitznahme  des
Landes  bis  zu  den  Seealpen  durch  Eurich,  nach  Nepos’  Verdrängung ­
  aus  Italien  im  August  475,  in,  eben  dieses  Jahr  475
oder  das  folgende  476,  sonach  vor  den  grossen  Feldzug  Eurich’s
nach  Spanien  im  Jahre  477  11  gehört.
Dass  aber  seit  etwa  dieser  Zeit  für  die  Katholiken  mindestens ­
  keine  weitere  Verfolgung  eintrat,  lässt  sich  aus  Sidonius’

1  Darüber  habe  ich  mich,  Eugipius  S.  809  flgde,  wohl  genügend  geäussert.
2  Jaffe  reg.  n.  344.
3  Vgl.  oben  S.  938  und  945.
4  t/)V  rcoXiTslav  ic  Tupavvfoa  |j.ereßaXX£.
5  xoü  xupavvou  aepfaiv  evBioorcos.
G  Dahn  V,  97  flgde,  wo  sich  denn  auch  die  für  die  folgenden  Jahre  gerathenen
  Eroberungen  in  Südgallien  notiert  finden.
            
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