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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Apollinaris  Sidonius  als  Politiker.

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Odovakar  mehr  zugeneigt. 1  Man  hat  bei  diesen  Galliern  an
angeblich  noch  ununterworfene  Römer  im  südlichen  Gallien
gedacht. 2  Falls  aber  die  Nachricht  überhaupt  begründet  ist
—  denn  sie  tritt  in  bedenklicher  Umgebung  auf 3  —,  so  ist
doch  wohl  das  einfachste,  unter  diesen  ,westlichen  Galliern'
die  Westgothen  und  ihren  König  Eurich  zu  verstehen,  denen
ja  das,  byzantinischem  Blicke  zunächstliegende  und  überhaupt
der  grössere  Theil  des  transalpinischen  Gallien  zugefallen  war.
Odovakar  hat  allem  Anscheine  nach,  und  dann  ganz
verständiger  Weise,  auch  mit  dem  Burgundenkönige  Gundobad,
der  sich  nachträglich  freilich  für  getäuscht  erklärte,  einen
Bündnisvertrag  geschlossen. 4  An  den  von  Prokop  gemeldeten
Vertrag  mit  den  Westgothen  wird  man  um  so  eher  glauben
dürfen.
Und  nicht  so  befremdend,  wie  im  ersten  Augenblicke
scheinen  könnte,  stellt  sich  ferner  dar,  dass  der  albanische
König  in  Italien  veranlasst  werden  sollte,  den  arianischen
Westgothenkönig  zu  Massregeln  der  Schonung  gegenüber  der
katholischen  Kirche  zu  bestimmen.
Man  wird  sich  hier  zunächst  weiter  erinnern  müssen,
dass  Odovakar  das  Papstthum  in  aller  Freiheit  und  auch  dem
Kaiser  gegenüber  in  vollem  Bewusstsein  seiner  Würde 5  walten
liess,  ja  dass  gerade  die  Herrschaft  der  drei  arianischen  Könige,
Odovakar’s,  Theodoricb/s  des  Grossen  und  Athalarich’s  oder
seiner  Mutter  Amalasuntha,  der  Entwickelung  der  päpstlichen

1  axaataaavxtov  auxto  (’Oood/pco)  "wv  8ua|xtxtov  TaXaxcov  oiaTipEGßsucjap.s’vcov  xs
aurwv  xat  ’Oöoa/pov  Tzpog  Z^vcova,  ’Oooazpw  |j.aXXov  6  Z^vcov  axIxXtvsv.  Candidus ­
  p.  476  (Niebuhr).
2  Binding.  96  nach  Pallmann  II,  310  (vermuthungsweise),  362  (bestimmt).
3  Es  gellt  vorher:  p-Exd  xrjv  avafpsaiv  xou  ßaaiXsto?  N£:coxo<;  xat  xov  otwyp-ov
xou  (j-Et 1  au  xov  AuyouaxouXou  ’Ooo'av.poq  ’lxaXt'a?  zat  avzfjc  ixpdx7]<JE  *P<Ap};.
Der  Autor  wusste  also  nicht  einmal,  dass  Nepos  noch  vier  Jahre  lebte,
und  könnte  dessen  notorische  Gesandtschaft  mit  einer  eingebildeten  von
Westgallien  verwechselt  haben.  Denn  Malchos  S.  236  meldet,  Zeno  habe
eben  zwischen  Odovakar’s  und  Nepos’  Boten  zu  entscheiden  gehabt:
OGpizvouvrat  Srj  avopss  x%  ßouXij;  xi]£  Iv  f Pa>|X7]  xouxou^  Bu£avxtov  xopl£ovx£s
xou^  Xo'you?  (vgl.  oben  S.  946,  Anm.  4)  zat  xat?  aüxat?  rjpipaic  ix  xou
Nettcoxos  ayysXot.
4  Binding  99.
5  Baxmann,  Politik  der  Päpste  I,  15.

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