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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Apollinaris  Sidonius  als  Politiker.

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Gallien,  welche  die  Grenze  des  gothischen  Antheils  umfasst
hat,  dem  Glauben  gemäss  halten,  wenn  wir  sie  auch  nicht
vertragsmässig  behalten £ . 1  Ich  denke,  Sidonius  theilt  mit  diesen
letzteren  Worten  seinen  Wunsch  mit,  dass  der  mit  dem  Westgothenkönige ­
  abzuschliessende  Vertrag  eine  für  den  katholischen ­
  Glauben  günstige  Clausei  enthalten  solle.
Es  erhebt  sich  nunmehr  die  Frage,  welches  unter  den
beiden  Reichen  oder  Königreichen  gemeint  sei.  Das  eine  ist
nach  Sidonius’  eigenen  Worten  das  der  Westgothen.
Zunächst  denkt  man  in  Bezug  auf  das  andere  an  das  der
Burgunden  —  da  das  römische,  das  Imperium,  die  Respublica
ausgeschlossen  werden  muss.  Wurde  doch  noch  in  Alarich’s  II.
späterer  Zeit 2  Bischof  Caesarius  von  Arles,  wie  sein  Biograph
behauptet:  mit  Unrecht, 3  burgundischer  Sympathien  bezichtigt!
Aber  es  konnten  doch  nicht  wohl  Verhandlungen  über  einen
Vertrag  zwischen  Burgundern  und  Westgothen  Bischöfen  vertraut ­
  werden,  die  im  äussersten  Südosten  und  Süden  Galliens
residieren,  darunter  jenem  Bischöfe  Graecus  von  Massilia,  der
schon  im  Jahre  474  die  Verhandlungen  zwischen  Eurich  und
dem  Kaiser  Julius  Nepos  geführt  hatte. 4  Vollends  wenn  man
erwägt,  dass  das  Departement  Vaucluse,  mindestens  grossentheils
  mit  den  Städten  Orange  und  Apt,  höchst  wahrscheinlich 5
schon  in  demselben  Jahre  in  Eurich’s  Besitze  war,  muss  man

1  Der  merkwürdige  Schlusssatz  lautet:  agite,  quatenus  haec  sit  amicitia,
concordia  principalis,  ut  episcopali  ordinatione  permissa  populos  Galliarum,
  quos  limes  Gothicae  sortis  incluserit,  teneamus  ex  fide,  etsi  non
tenemus  ex  foedere.
2  Binding  I,  191  über  die  chronologischen  Ansätze.
3  —  quod  totis  viribus  affectaret,  territorium  et  civitatem  Arelatensem  Burgundionum
  ditionibus  subiugare,  cum  utique  praestantissimus  ille  pastor
flexis  genibus  pacem  gentium,  quietem  urbium  diebus  ac  noctibus  a  domino
  generaliter  postularet.  Vita  S.  Caesarii.  Acta  Sanctorum  m.  Augusti
diei  28,  t.  VI,  p.  64  sq.
4  Vgl.  oben  S.  937.
5  Binding  78,  86.  Einleuchtend  ist  aber  doch,  dass,  falls  die  nur  traditionell
gesicherte  Verweisung  des  Bischofs  von  Apt  durch  Eurich  überhaupt  wahr
ist,  nicht  anderseits  mit  Binding  (91  flgde)  an  eine  Räumung  dieser  kleinen
transrhodanischen  Gebiete  zu  denken  ist,  blos  weil  Sidonius  III,  7  (1)
im  Allgemeinen  sagt,  die  Gothen  streben,  ,possessionis  turbidae  metas  in
Rhodanum  Ligerimque 4 ,  auszudehnen.
Sitzungsber.  (1.  pliil.-liist.  CI.  XCV1I.  Bd.  III.  Hft.  60
            
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