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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Sauer.

Briefe,  20.  December  1749,  über  Ramieis  Besserungen  sagt,
kann  uns  in  unserer  Ansicht  nur  noch  bestärken;  er  hielt  die
Besserungen  nicht  durchaus  für  gut,  wenn  er  sich  auch  den
Anschein  geben  will.  Man  muss  zwischen  den  Zeilen  lesen:
,Anfangs  murrte  meine  Eigenliebe  ein  wenig,  besonders  da  ich
sah,  dass  er  zuweilen  was  weggelassen  und  verändert,  das  mir
gut  dünkte  ....  allein,  er  hat  sonst  so  viele  Schönheiten
hinzugethan,  dass  man  diese  Kleinigkeiten  leicht  missen  kann,
und  ich  habe  nun  meine  Vanite  ganz  zufrieden  gesprochen'.
Bei  dem  durchaus  gemässigten,  süsslich-freundschaftlichen  Tone
des  Briefwechsels  liegt  in  diesen  Worten  eine  starke  Missbilligung. ­
  Zwei  Stellen  führt  Kleist  hier  an,  deren  Weglassung
oder  Aenderung  er  nicht  billige.  Die  eine  ,Gebirge  die  Brüste
der  Reben' [  ist  in  allen  Ausgaben  zu  seinen  Lebzeiten  unverändert ­
  geblieben.  Ramler  machte  daraus  Vers  57  ,ein  Rebengebirg
  .  .  .  mit  Thyrsusstäben  bepflanzet'.  Die  andere  Stelle:
,Der  Wind  blies  Ueberschwemmungen  von  Kälte  herum'  hat
er  aber  bereits  1756  selbst  geändert  G  24  ,Und  bliesen
Schrecken  und  Furcht  herum,  Verderben  und  Kälte',  in  R
fehlt  der  betreffende  Vers  ganz.  Auch  dies  bestätigt  meine
Ansicht.  Zusammenfassend  schreibt  er  endlich  8.  Februar  1750,
er  hätte  sein  Gedicht  nicht  drucken  lassen,  wenn  Ramler  auch
noch  so  viel  geändert,  aber  nur  die  Ordnung  seiner  Gedanken
beibehalten  hätte;  ,so  aber  hat  er  ein  ganz  anderes  Gedicht
daraus  gemacht,  und  mir  das  Exercitium  ein  bischen  zu  stark
corrigirt'.  Mehr  als  ein  mildernder  Zusatz  ist  es  auch  hier
nicht,  wenn  er  fortfährt:  ,Indessen  ist  es  gewiss,  dass  seine
Auflage  ganz  unvergleichlich  werden  wird  (ich  kann  sie  rühmen,
denn  es  ist  fast  nichts  darin  von  meiner  Arbeit),  und  ich  freue

1  Vgl.  Hagedorn  an  Bodmer  ‘24.  September  [1750]  (Stäudlin,  S.  210):  Haben
Sie  nicht  den  Frühling,  das  malerische  und  angenehme  Gedicht,  mit
ausserordentlichem  Vergnügen  gelesen?  Nur  ist  mir  die  Freiheit,
womit  er  die  Berge  ,Brüste  der  Natur'  nennt,  zuweilen  etwas  anstössig
und  zu  italienisch:  zuweilen  aber  auch  nicht.  Wie  würde  Brockes  sich
an  dem  Frühling  vor  vielen  Lesern  ergötzet  haben!'  Bodmer  an  Hagedorn
27.  Januar  1751  (Hagedorns  Werke  V,  S.  212)  ,Ich  habe  wahrhaftig  den
malerischen  Frühling  des  H.  v.  Kleist  mit  Vergnügen  gelesen.  Ich  fand
aber  nicht,  dass  die  Berge  Brüste  der  Erde  genannt  werden,  nur  die
Hügel  werden  ,Brüste  der  Reben'  genannt'.
            
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