Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Apollinaris  Sidonius  als  Politiker.

933

Zur  Kundgebung  einer  so  undynastischen  Gesinnung  mag
ja  Sidonius  freilich  auch  durch  die  Gunst  mitbestimmt  worden
sein,  welche  seinem  Schwiegervater  eben  von  Petronius  Maximus
  zu  Theil  geworden  war,  indem  er  von  demselben  zum
Höchstcommandierendcn  ernannt  wurde 1  und  den  Auftrag
empfieng,  ein  gutes  Verhältniss  zu  den  Gothen  durch  eine
Botschaft  an  den  König  Theodorich  II.  herzustellen.  Sidonius
vergleicht  wohl  Beider  Verhältniss,  das  allem  Anscheine  nur
das  des  frühem  Lehrers  und  Schülers  war,  mit  dem  zwischen
Romulus  und  Tatius 2  und  lässt  den  gothischen  König  auf  das
höflichste  seine  Unterwürfigkeit  bekennen. 3  In  der  vandalischen
  Eroberung  Roms  sieht  er  dann  in  weiterer  gelehrter
Reminiscenz  einen  vierten  punischen  Krieg. 4
Man  kann  wohl  kaum  zweifeln,  dass  Sidonius  in  dem
Kaiserthume  ähnlich  wie  sein  Muster  Plinius  Secundus  eben
nur  die  oberste  Stufe  des  Beamtenstandes  sieht,  in  welcher
ihm  alle  gehörige  Staatsordnung  beschlossen  zu  sein  schien.
Mit  dem  Eintritte  der  Germanenherrschaft  meint  er,  etwa  im
Jahre  477,  alle  Rang-  und  Standesunterschiede  aufgehoben:
nur  die  literarische  Kunde  werde  fortan  die  Menschen  unterscheiden. ­
 5
Wenn  wir  nun  früher  bemerkten, 6  wie  er,  obwohl  schon
Bischof,  die  Rangerhöhung  seines  Schwagers  für  eine  göttliche
Gnade  hielt,  so  lässt  sich  wohl  leicht  denken,  dass  ihm  seine

1  —  —  —  peditumque  equitumque  magistrum
Te  sibi,  Avite,  legit.  Ibid.  378.
2  Haud  secus  insertis  ad  pulvinaria  palmis
Romulus  et  Tatius  foedus  jecere.
Ibid.  437,  vgl.  oben  S.  930,  Anm.  2.
3  —  —  —  dudum,  dux  inclyte,  culpo
Poscere  te  pacem  nostram,  cum  cogere  possis
Servitium,  trahere  ac  populos  in  bella  sequaces.
Ibid.  489.
4  Das  kehrt  einigermassen  im  Panegyricus  auf  Majorianus  v.  86  wieder:
Romana  tecta
Hannibal  ante  meus,  quam  nostra  Scipio,  vidit.
5  Nam  jam  remotis  gradibus  dignitatum,  per  quas  solebat  ultimo  a  quoque
summus  quisque  discerni,  solum  erit  post  hac  nobilitatis  indicium  htteras
nosse.  Epist.  VIII,  8  (9)  p.  418.
6  Vgl.  oben  S.  928,  Änm.  2.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.