Ueber die Earalerisebe Bearbeitung der Gedichte E. C. v. Kleists.
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Nach diesen Belegstellen scheint es mir unzweifelhaft,
dass der Ueberarbeiter bis Vers 90 die Ausgabe von 1756
gänzlich ignorirt, von da ab öfters zu Rathe gezogen hat, dass
aber der ganzen Redaction die Ausgabe von 1749 zu Grunde
gelegen hat. Nun wissen wir, dass Ramler in den Jahren 1749
bis 1750 zur Zeit, als Kleist den Frühling zum Drucke vorbereitete,
und während des Druckes selbst, das Gedicht einer
feilenden Durch- und Umarbeitung unterzog. Was wir aus
den gleichzeitigen Briefen über dieselbe erfahren, ist beiläufig
Folgendes: Im April und Mai beginnt Ramler die ersten Verbesserungen
vorzunehmen: Gleim besitzt dieselben, will sie
aber dem Freunde trotz öfteren Bitten nicht übersenden; endlich
im December sieht Kleist dieselben bei einem Besuche in
Berlin und schreibt am 10. December ausführlich darüber an
Gleim: sie seien unvergleichlich, er wundere sich nur, dass
sich Ramler mit der Arbeit eines Fremden so viel Mühe gegeben
habe. ,Ich gedachte, dass er nur hie und da, um des
Wohlklanges willen Wörter verändern würde, ich finde aber,
dass er auch die meisten Gedanken verbessert hat. Es sind
zwar, wie mich die Eigenliebe überredet, hin und wieder auch
gute Gedanken von den meinen weggelassen worden, allein,
ich sehe wohl, dass er solches nicht hat ändern können, weil
er sich einen neuen Zusammenhang gemacht hatb Kleist will
zuerst seinen eigenen Frühling drucken lassen und wünscht,
dass dann auch die Bearbeitung des Freundes als dessen Eigenthum
gedruckt werde. Die von Kleist ausgeschalteten Stellen
sowie neu erfundene Erzählungen Rainlers sollen eingefügt
werden. Alles, was wir hier über Ramlers Bearbeitung erfahren,
lässt den Schluss ganz gut zu, dieser habe, als er im
Jahre 1760 die Herausgabe nach Kleists Tod energisch in die
Hand nahm, die alte, früher Manuscript gebliebene Bearbeitung
hervorgesucht und nach neuer Durchsicht, nach Versetzung
mit einigen späteren Kleistischen Lesarten als des Dichters
Arbeit abdrucken lassen. Dann erklärt es sich leicht, dass
diese Aenderungen mit einem Verse in der Mitte des Gedichtes
plötzlich abbreehen; der Ueberarbeiter war vor Jahren nicht
weiter gekommen und hatte jetzt weder Lust noch Müsse, die
zweite längere Hälfte des Gedichtes einer gleichmässigen Umgestaltung
zu unterziehen. Was Kleist in einem späteren