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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

*

926  Büdinger.
zu  geben  weiss. 1  Auch  dass  der  gute  Mensch  die  scheinbar
noch  unerschütterte  Macht  des  Römerthumes  so  sehr  zur  Schau
trägt,  musste  den  Zeugen  ihres  Zusammenbruches  angenehm
berühren.  Was*  mochte  er  gar  empfinden,  wenn  er  bei  Statius
las,  wie  ein  Günstling  Domitian’s  sich  auf  seinen  winterlichen
Dienstreisen  von  seiner  Gattin 2  in  das  Sarmatenland,  an  die
untere  Donau  an  den  Rhein  begleiten  liess  —  in  Gegenden,
die  nun  sämmtlich  von  den  Feinden  des  Römernamens  besetzt
waren!  Auch  das  mochte  das  dichterische  Muster  empfehlen,
dass  Statius  sich  so  ausdrücklich  als  Pindar’s  Diener  und
Uebersetzer  bekennt, 3  seinen  Rang  als  Poet  zwar  nur  nach
Virgil  einzunehmen  beansprucht,  aber  von  der  Unsterblichkeit
seines  Namens  doch  ein  wenig  überzeugt  ist, 4  wie  er  das  in
etwas  hölzerner  Weise  auch  am  Schlüsse  seiner  Thebais  ausspricht. ­
 5
Es  kann  für  die  Zwecke  dieser  Untersuchung  als  eine  ganz
glückliche  Thatsache  bezeichnet  werden,  dass  Sidonius  trotz
der  Stärke  seiner  literarischen  Neigungen  von  eigentlich  historischer ­
 6  Arbeit  sich  fern  hielt:  schwerlich  hätte  er  die  Unbefangenheit ­
  und  Feinheit  des  Gefühles  für  die  Empfindungen
des  Römerthums  dieser  Zeit  zu  bewahren  gewusst,  die  uns  so
sehr  zu  Statten  kommt.  Die  ausdrücklich  von  ihm  genannten

1  Silvae  III,  5;  V,  3  und  5.
2  Tecum  gelidas  eomes  illa  per  arctos,
Sarmaticas  hiemes,  Istrum  et  pallida  Rheni
Frigora  tecum  omnes  anima  duratus  per  aeatns.
Abascantii  in  Priacillam  pietas  Silvae  V,  1,  127.
3  Tuqne,  regnator  lyrieae  cohortis,
Da  novi  paulum  mihi  jura  plectri
Si  tuas  eantu  Latio  sacravi,
Pindare,  Thebas.  Silvae  IV,  7,  5.
4  Haee  tibi  parva  quidem  genitali  luce  paramus
Dona,  aed  ingenti  foraan  victura  aub  aevo.
Silvae  II,  3,  63.
5  Vivo  preeor;  nec  tu  divinam  Aeneida  tempta
Sed  longe  aequcre  et  vestigia  aemper  adora.
Mox  tibi  ai  quia  adhuc  praetendit  nubila  livor,
Occidet;  te  meriti  poat  me  referentnr  honores.
6  II  a  beau  ae  defendre  d’etre  hiatorien;  personne  ne  l’eat  plus,  sagt  freilich ­
  Germain  152  mit  Recht.
            
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