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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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B  ü  d  i  n  g  e  r.

von  Narbonne,  Sohn  eines  Gelehrten,  der  von  Valentinian  III.
und  Avitus  zu  hohen  Hofämtern  befördert  worden  war,  hatte
noch  unter  dem  Ersten  als  Gesandter  in  Constantinopel  Gelegenheit, ­
  die  in  Südgallien  noch  so  verbreitete  Kunde  des
Griechischen  zu  verwerthen. 1  Ganz  ernstlich  denkt  er  sich  in
seinen  Erinnerungen  gelegentlich  in  die  vorchristliche  Zeit  des
Reiches,  wenn  er  von  seinen  zeitgenössischen  Kaisern  schreibt:
Rikimers’  Geschöpf  und  wahrscheinlich  Opfer  Libius  Severus
lässt  er  nach  natürlichem  Tode  ,zu  den  unter  die  Götter  Versetzten' ­
  kommen. 2
So  seltsam  es  uns  heute  erscheint,  so  ist  doch  für  Sidonius,
der  sich,  wie  wir  noch  näher  sehen  werden,  die  Fortexistenz
des  römischen  Kaiserstaates  sammt  seiner  Beamtenschaft  wie
eine  NaturnothWendigkeit  dachte,  durchaus  begreiflich,  dass
er  Papinius  Statius  sich  zum  Muster  nahm.  Gerade  unter  den
Stürmen  der  eben  eintretenden  Germanenherrschaft  mochte
diese,  in  den  leichten  Umgangsformen  hochgebildeter  und  im
Ganzen  sittenreiner  Menschen  ihr  Genüge  iindende  Seele  an
diesem  vielfach  congenialen  Dichter  der  ,Wäldlein' 3  ein  natürliches ­
  Voi'bild  erkennen.  Dass  Statius  bei  so  ungemein  anmuthiger
  Form  so  vollkommen  nichtigen  Inhaltes  ist,  macht

1  Carmen  20  (23)  v.  233,  p.  582:
Tum  si  forte  fuit,  quod  imperator
Eoas  soceri  venire  in  aures
Fido  interprete  vellet  et  perito,
Te  commercia  duplicis  loquelae
Doctum  solvere  protinus  legebat.
2  Carmen  22  (2)  Panegyrieus  in  Authemium  v.  317,  p.  006:
Auxerat  Augujtus  naturae  lege  Severus
Divorum  numerum.
Ueber  Severus’  Todesart  bringt  Sirmondus,  notae  186,  alles  Notlüge.
3  Nach  dem  oben  (S.  923,  Anm.  3)  erwähnten  Preisliede  auf  Bourg:  neque
omnino  quiequam  de  Papinii  nostri  silvulis  lectitasse,  wie  Carmen  I,
v.  222  ad  V.  C.  Felicem  p.  486:
Non  quod  Papinius  tuus  meusque
Inter  Labdaeios  sonat  furores
Aut  quum  forte  pedum  minore  rhythmo
Pingit  gemmea  prata  silvularum  —
Verse,  die  ebenso  gut  von  Statius  geliefert  sein  könnten.  Strenger  urtheilt
  Chaix  I,  171,  231,  396.
            
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