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B ü d i n g e r.
von Narbonne, Sohn eines Gelehrten, der von Valentinian III.
und Avitus zu hohen Hofämtern befördert worden war, hatte
noch unter dem Ersten als Gesandter in Constantinopel Gelegenheit,
die in Südgallien noch so verbreitete Kunde des
Griechischen zu verwerthen. 1 Ganz ernstlich denkt er sich in
seinen Erinnerungen gelegentlich in die vorchristliche Zeit des
Reiches, wenn er von seinen zeitgenössischen Kaisern schreibt:
Rikimers’ Geschöpf und wahrscheinlich Opfer Libius Severus
lässt er nach natürlichem Tode ,zu den unter die Götter Versetzten'
kommen. 2
So seltsam es uns heute erscheint, so ist doch für Sidonius,
der sich, wie wir noch näher sehen werden, die Fortexistenz
des römischen Kaiserstaates sammt seiner Beamtenschaft wie
eine NaturnothWendigkeit dachte, durchaus begreiflich, dass
er Papinius Statius sich zum Muster nahm. Gerade unter den
Stürmen der eben eintretenden Germanenherrschaft mochte
diese, in den leichten Umgangsformen hochgebildeter und im
Ganzen sittenreiner Menschen ihr Genüge iindende Seele an
diesem vielfach congenialen Dichter der ,Wäldlein' 3 ein natürliches
Voi'bild erkennen. Dass Statius bei so ungemein anmuthiger
Form so vollkommen nichtigen Inhaltes ist, macht
1 Carmen 20 (23) v. 233, p. 582:
Tum si forte fuit, quod imperator
Eoas soceri venire in aures
Fido interprete vellet et perito,
Te commercia duplicis loquelae
Doctum solvere protinus legebat.
2 Carmen 22 (2) Panegyrieus in Authemium v. 317, p. 006:
Auxerat Augujtus naturae lege Severus
Divorum numerum.
Ueber Severus’ Todesart bringt Sirmondus, notae 186, alles Notlüge.
3 Nach dem oben (S. 923, Anm. 3) erwähnten Preisliede auf Bourg: neque
omnino quiequam de Papinii nostri silvulis lectitasse, wie Carmen I,
v. 222 ad V. C. Felicem p. 486:
Non quod Papinius tuus meusque
Inter Labdaeios sonat furores
Aut quum forte pedum minore rhythmo
Pingit gemmea prata silvularum —
Verse, die ebenso gut von Statius geliefert sein könnten. Strenger urtheilt
Chaix I, 171, 231, 396.