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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Hofier.

(las  ostslavische  Mittelalter  endigte  und  die  neuere  Zeit  blutig
emporstieg.
Die  bis  zum  Extrem  getriebene  Steigerung  des  nationalen
Princips  bat  regelmässig  eine  Art  von  Wahnsinn  erzeugt,  dem  die
Völker  am  meisten  ausgesetzt  sind,  die  eben  alles  Heil  von  der
Entfaltung  der  Nationalität  erwarten.  Das  schlimmste  Kennzeichen ­
  des  Wahnsinns  besteht  aber  darin,  dass  diejenigen,
welche  damit  behaftet  sind,  ihre  Excentricität  als  den  Normalzustand ­
  anzusehen  sich  gewöhnen.
Ging  so  die  glorificirte  böhmische  (husitische)  Bewegung
in  eine  drückende  Adelsherrschaft  und  in  die  Unfreiheit  des
Bauernstandes  über,  so  war,  was  in  Böhmen  an  wilden  Scenen
vor  sich  ging,  geringfügig  zu  nennen  gegen  das,  was  in  Russland ­
  stattfand,  seit  die  moskowitischen  Czaren  es  sich  zur
Aufgabe  gestellt,  jede  noch  so  verbürgte  Freiheit  zu  brechen
und  an  ihre  Stelle,  was  man  das  ,moskowitische  Recht'  nannte,
zu  setzen,  d.  h.  Personen  und  Sachen,  Leben  und  Eigenthum
unbedingt  für  sich  in  Anspruch  zu  nehmen.  Dieser  Zustand
der  Dinge  war  im  Abendlande  unerhört;  selbst  die  osmanische
Tyrannei  war  dagegen  noch  ein  Rechtszustand  zu  nennen.  Gerade ­
  im  Anfänge  des  XVI.  Jahrhunderts  wüthete  Wassilij  gegen
seine  Brüder,  gegen  seine  Verwandten,  gegen  die  Reste  russischer
Fürstenthümer  und  freier  Communen  mit  ebenso  grosser  Feigheit ­
  als  Grausamkeit.  Er  stünde  als  Scheusal  in  der  Geschichte
einzig  da,  wenn  ihn  nicht  sein  bluttriefender  Sohn  Iwan  der
Grausame  an  roher  Henkerslust  übertroffen  hätte.  Während  die
Tataren  vor  Moskau  rückten,  verkroch  er  sich  in  einem  Heuschober ­
  und  das  Schicksal  Russlands  hing  von  einem  deutschen
Artilleristen  ab,  der  unerschrocken  seine  Kanonen  bediente  und
dafür  vom  Czaren  mit  10  fl.  belohnt  wurde.  Aber  er  behauptete
zwischen  dem  Chanate  der  Krim  und  dem  von  Kasan  das
moskowitische  Czarenthum,  das  das  Grossfürstenthum  Wladimir,
Nowgorod  und  Moskau  umfasste,  nannte  sich  Beherrscher  von
ganz  Russland,  eroberte  Smolensk,  den  Schlüssel  zu  Litthauen,
und  bezeichnete  Sultan  Soleiman,  als  dieser  zur  Bezwingung  des
Abendlandes  auszog,  als  seinen  guten  Bruder.  Seit  ihm  gab  es
keine  fürstliche  Untugend  im  Abendlande,  die  nicht  in  ihm  sich
vorgefunden  hätte;  es  war,  als  hätte  Heinrich  VIII.  sich  ihn
zum  Muster  ausgewählt.  Der  Knechtsinn  nahm  bis  zur  völligen
            
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