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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Hofier.

Aber  man  hatte  erreicht,  was  man  wollte,  die  Deutschen  waren
ausgetrieben  —  um  zuletzt  doch  zurückzukehren  und  (1527)
die  Herrschaft  zu  erlangen.
Die  slavischen  Völker  hatten  volle  Zeit  sich  zu  entwickeln,
und  wenn  grosse  Katastrophen  diesen  Process  plötzlich  unterbrachen, ­
  haben  sie  nicht  Andere,  sondern  nur  sich  anzuklagen.
Es  gibt  keine  unsinnigere  Theorie,  als  ein  Volk  glauben  zu
machen,  es  sei  zum  Martyrium  unter  den  andern  Völkern  bestimmt, ­
  in  deren  Annalen  mit  Schrecken  und  Entsetzen  das
Treiben  dieser  Märtyrer  verzeichnet  ist.  Wenn  aber  die  Behauptung ­
  gewagt  wird,  dass  durch  den  Husitismus  die  religiöse ­
  oder  politische  Freiheit  gefördert  worden  sei,  so  müsste
sich  dieses  vor  Allem  in  der  Geschichte  Böhmens  im  XV.  Jahrhunderte ­
  zeigen.  Dieses  sah  aber  nicht  blos  die  taboritiscke
Bauernerhebung,  die  dem  Auslande  kraftvollen  Widerstand  geleistet ­
  hatte,  untergeben,  sondern  auch  die  Freiheit  der  niederen
Classen  überhaupt,  die  dem  doppelten  böhmischen  Adel,  Herren
und  Bitterstand  ebenso  erlag  als  die  religiöse  Freiheit,  die  im
Utraquismus  verknöcherte,  der  den  Seinen  eine  Last  wurde,
nachdem  man  den  Kampf  mit  der  christlichen  Welt  gewagt
hatte,  ihn  zu  erringen  und  zu  behaupten.  Die  Verfolgungen,
welche  die  böhmischen  Brüder  vor  Allem  von  den  Utraquisten
auszustehen  hatten,  die  geistige  Unfruchtbarkeit  der  letzteren,
ihr  stetes  Hin-  und  Herschwanken  zwischen  Anerkennung  und
Nichtanerkennung  der  katholischen  Kirche,  der  gänzliche  Mangel
an  innerem  Gehalte,  an  wissenschaftlicher  Bedeutung,  machen
den  Utraquismus,  diesen  Kampfpreis  der  husitisehen  Heere
wie  der  husitisehen  Theologen  zu  einer  der  widerwärtigsten
Gestaltungen  der  gesammten  Kirchengeschichte,  und  wenn
mit  dreister  Stirne  behauptet  wird,  von  Böhmen  sei  das
Licht  in  der  Pinsterniss  ausgegangen,  so  lieferten  die  husitischen
  Brandmäler,  die  Knechtung  der  niederen  Classen,
die  Schwäche  des  Königthums,  der  Uebermuth  und  die  Uebermacht
  des  Adels,  an  welchen  die  Güter  der  Kirche  und  des
Königthums  gekommen  waren,  die  unglaubliche  Bohheit  der
Massen,  die  an  das  Morden  und  Plündern  sich  gewöhnt  hatten,
und  der  Verfall  der  Unterrichtsanstalten,  als  dieselben  in  die
Hände  der  Utraquisten  gefallen  waren  und  diese  rasch  ihre
ausschliessliche  Herrschaft  behaupteten,  für  verständige  und
            
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