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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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H  öf  ler.

die  Prälaten  die  Einwanderung  der  Deutschen  so  sehr  begüntigten,
  meinte  ein  sehr  entschiedener  Slave,  der  Bischofs
Bogufal  in  Posen,  es  gäbe  in  der  ganzen  Welt  nicht  zwei
Nationen,  die  einander  so  nahe  ständen,  so  viel  Gemeinsames

quassata  perierant,  sub  nostrae  juventutis  primördiis  seniliter  juvenescant).
Die  Argumentation  des  Herrn  Paulsen  ist  somit  in  gar  keiner  Beziehung
stichhältig,  sie  beweist  nur  seine  Unwissenheit,  und  der  persönliche  Ausfall ­
  gegen  mich  widerlegt  sich  dadurch  von  selbst.  Er  scheint,  was  ich
aus  dem  Appellationsinstrumente  der  drei  Nationen,  das  ich  auffand,
wörtlich  in  den  Text  aufnahm,  als  meinen  Zusatz  angesehen  zu  haben.
Wenn  er  aber  dann  mit  einer  Art  von  Päan  schliesst,  Böhmen  sei  damals
das  Herz  von  Deutschland  nicht  gewesen,  und  sagt,  ,gar  in  der  Vertreibung ­
  von  einigen  deutschen  Professoren  ein  welterschütterndes  Ereigniss
zu  sehen,  sei  doch  ein  abenteuerliches  idolum  horizontis 1 ,  so  weiss  freilich
der  gründliche  Forscher  nicht,  dass  Böhmen  sich  damals  bis  vor  die
Tliore  von  Nürnberg  erstreckte,  Mähren,  Schlesien,  die  Lausitz  und  das
Churfürstenthum  Brandenburg  umfasste,  die  zahlreichen  Enclaven  im
deutschen  Reiche  nicht  gerechnet,  und  dass  es  von  dieser  Zeit  an  hiess,
die  römische  Königskrone  gehöre  auf  die  böhmische.  Der  insipide  Vorwurf ­
  der  Abenteuerlichkeit  fällt  daher  auf  Herrn  Paulsen  zurück,  der
nicht  weiss,  dass  es  sich  nicht  um  einige  deutsche  Professoren  handelte,
sondern  allmälig  um  die  ganze  deutsche  Bevölkerung  Böhmens  und  um
einen  Nationalkampf,  der  die  besten  Kräfte  Deutschlands  verzehrte.  Nur
eine  ekelhafte  Frivolität,  wie  sie  der  leidige  Culturkampf  erzeugte,  kann
da  von  einigen  deutschen  Professoren  sprechen,  wo  es  sich  um  einen
Brand  handelte,  der  nach  wenigen  Jahren  die  Herrschaft  der  Hohenzollern
in  Franken  bedrohte  und  sich  bis  an  die  Ostsee  erstreckte.  Die  elendeste
Argumentation,  welche  unter  gewissenhaften  Forschern  nie  stattfinden
darf,  besteht  aber  darin,  einem  Andern  eine  Absurdität  zuzuschreiben
und  diese  sodann  zu  bekämpfen.  Wer  hat  denn  aus  der  Vertreibung
einiger  deutschen  Professoren  ein  welterschütterndes  Ereigniss  gemacht?
Nur  Herr  Paulsen,  der  dem  Magister  Johannes  Hus  eine  Art  von  Infallibilität
zuzuerkennen,  scheint.  Doch  Herrn  Paulsen  hat  bereits  das  verdiente
Schicksal  erreicht.  Er  wurde  von  dem  czechisclien  Journale  als  Muster
von  Unparteilichkeit  gepriesen,  das  die  gehässigste  Verunglimpfung  der
Deutschen  zum  Handwerk  machte,  in  dieser  Arbeit  vor  keinem  Mittel
zurückschreckt  und  dem  jede  Waffe  recht  ist,  findet  man  sie  vielleicht
auch  nur,  wenn  man  sich  nach  dem  Strassenkothe  bückt.  Herr  Paulsen
verlangt,  dass  die  Deutschen  im  Jahre  1384  vor  den  Czechen  hätten  auswandern ­
  sollen,  und  er  leistet  1881  den  Neuhusiten  moralische  Unterstützung ­
  gegen  die  Deutschen,  die  um  ihre  Existenz  kämpfen.  Hat  man
in  Deutschland  vergessen,  dass  Böhmen  stets  das  Wetterloch  Mitteleuropas
war,  aus  welchem  die  Stürme  über  die  Nachbarländer  brausten,  so  möge
man  sich  wenigstens  nicht  in  unsere  Angelegenheiten  mischen.
            
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