Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

894

Höfler.

—  Bulgarien  sollte  osmanisch  bleiben,  die  Walachei  zu  Ungarn
gehören  —  so  rückte  schon  Mohammed  1457  vor  Belgrad  dem
letzten  Stützpunkte  serbischer  Macht;  es  wurde  durch  einen
abendländischen  Kreuzzug  für  Ungarn  gerettet  und  fiel  erst
1521  in  Sultan  Solimans  Hände.  Schon  1463  erfolgte  der
Untergang  des  Königreichs  Bosnien,  dessen  letzter  König  Stefan
Tomasevic  von  den  Osmanen  enthauptet  wurde.  Nun  aber  geschah ­
  das  Unglaubliche.  Mit  jener  Falschheit,  die  den  Bogumilen
  eigen  war,  welche,  wo  es  ihnen  frommte,  christliche  Gebräuche ­
  mitmachten,  nahmen  die  bogumilischen  Bosnier  jetzt
den  Islam  an  und  erhielten  sich  dadurch  als  herrschender  Stamm
im  Besitze  ihrer  Güter,  ihrer  Rechte,  ihrer  Herrschaft  über  den
christlichen  Tlieil,  der  diesen  Abfall  verschmähte.  Es  war  dieses
in  derselben  Zeit,  als  König  Georg  von  Böhmen  sich  bewogen
fühlte,  die  Maske  abzunelimen,  sich  als  Utraquist  zu  erklären,
sein  eigenes  Werk,  die  Pacification  Böhmens  zu  zerstören,  den
Bürgerkrieg  zwischen  denen  sub  una  und  sub  utraque  zu  veranlassen ­
  und  dadurch  die  Fundamente  eines  Gebäudes  zu  erschüttern, ­
  an  welchem  er  mit  ebenso  vieler  Energie  als  Schlauheit ­
  rastlos  gearbeitet  hatte.  Er  konnte  durch  seine  vorzüglichen
Eigenschaften  Böhmen  den  so  wünschenswerthen  Ruhepunkt  verschaffen, ­
  selbst  der  Wiederhersteller,  der  Wohlthäter  Böhmens
werden;  er  schien  sich  nur  bücken  zu  dürfen,  um  das  deutsche,
das  romäische  Kaiserthum  zu  erwerben.  Als  er  wider  seinen
Krönungseid  sich  als  Utraquist  geberdete,  bildete  die  zweite
Hälfte  seiner  Regierung  den  Gegensatz  zu  dem  glänzenden,
vielversprechenden  Anfänge  und  gehörte  auch  sie  nur  zu  den
ephemeren  politischen  Meteoren,  an  welchen  die  slavische  Geschichte ­
  so  reich  ist.
So  bot  denn  in  dem  lebensvollen  XV.  Jahrhunderte  der
grössere  Theil  der  slavischen  Welt  einen  unendlich  traurigen
Anblick  dar.  Serben  und  Bulgaren  hatten  ihre  Lebensaufgabe
in  einem  Antagonismus  erblickt,  zu  welchem  der  prunkende
Titel  ihrer  Titularkaiser:  Kaiser  der  Romäer  und  der  Bulgaren
oder  Serben  sehr  wenig  passte.  Jahrhunderte  lang  hatten  sie
rastlos  daran  gearbeitet,  sich  vom  Abendlande  abzuschliessen
und  die  Cultur  des  christlichen  Morgenlandes  zu  zerstören,
wohl  aber  angenommen,  was  dem  romäischen  Reiche  und  zuletzt
ihnen  selbst  das  Verderblichste  war,  das  kirchliche  Schisma
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.