Abhandlungen ans dem Gebiete der slavischen Geschichte. IV.
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Dreihundert Jahre nach der Krönung des Croatenkönigs Zwonimir
wurde Tvrdko König der Serben, Bosnier, des Küstenlandes
und der westlichen Länder. Er erlangte Dalmatien und
suchte Croatien mit der neuen Hen-schaft zu vereinigen, die,
obwohl serbisch, gleich dem Königthum Zwonimirs einen katholischen
Charakter annahm. Allein das neue Reich ward ein
wahres Abbild slavischer Zerrissenheit. Gerade unter Stefan
Duschan, welcher im Krönungsjahre Kaiser Karls IV. (1355)
starb, war eine fanatische Verfolgung der Katholiken durch die
schismatischen Serben entstanden; die romanische Bevölkerung
im Küstenlande, die Croaten ohnehin, waren katholisch, unter
den Serben aber hatte der Bogumilismus, die manichäisclie
Lehre durch die Saumseligkeit der Priester so grossen Eingang
gefunden, dass Bosnien fort und fort als Herd des Bogumilimus
galt. Dieses Reich, das, als es sich von Ungarn lossagte,
dadurch auch jeden Stützpunkt an Ungarn verlor, ward
jetzt, als Serbien zerfiel, Bulgarien unterging, slavische Hauptmacht
im Süden, während in Böhmen, das gleichfalls einen
katholischen König besass, der Husitismus triumphirte. Es war
und blieb dieses eine der merkwürdigsten Erscheinungen des sich
seinem Ende nähernden Mittelalters, dass das Slaventhum noch
zwei so heterogene Erscheinungen auf dem kirchlichen Gebiete
zu Tage förderte, gleichzeitig zwei Hebel angelegt wurden, die
lateinische Welt aus den Fugen zu treiben. Doch das Geschick
der slavischen Welt hing damals, was den Süden betraf, von einer
erneuten Verbindung Polens mit Ungarn ab, als der Jagellone
Wladislav (statt des Habsburgers Ladislaus Posthumus), auf
den ungarischen Thron berufen, im Jahre 1443 den grossen
Osinanenkrieg begann, welcher mit der Vernichtung des ungarischen
Heeres und dem Tode des Königs bei Varna (10. November
1444) endigte. Was nun in raschen und entscheidenden
Schlägen erfolgte, war nur die Ausbeutung des grossen osmanischen
Sieges vom Jahre 1444: die Eroberung von Constantinopel
(29. Mai 1453), die Vernichtung des romäischen Reiches,
der Freiheit und Selbstständigkeit der griechischen Nationalität
auf der Balkanhalbinsel, und sobald dieses geschehen war, die
grosse Frontveränderung der osmanischen Macht gegen den
Westen. War durch den Frieden von Szegedin (vor der Schlacht
von Varna) ein Theil von Serbien den Brankowic zugekommen