Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Abhandlungen  ans  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  IV.

883

In  diesen  Zeitraum  fällt  übrigens  die  Begründung  eines
neuen  slavischen  Königreiches.  Das  hochtönende  des  serbischen
,Königs,  von  Rascien,  von  Dioclea,  von  Albanien,  Bulgarien  und
der  ganzen  Küste  vom  adriatischen  Golfe  bis  zum  grossen
Donaustrome,  des  Königs  und  Selbstbeherrschers  der  Serben
und  des  Küstenlandes,  der  Romäer  und  Bulgaren,  des  Czaren
der  Serben,  der  Romäer  und  der  westlichen  Gebiete,  nicht  minder
Albaniens,  des  Küstenlandes  und  des  ganzen  Westen*  —  wie
sich  so  gerne  Stefan  Duschau  geschrieben  —  war  vergangen,
als  wäre  es  nie  dagewesen.  Jetzt  ernannte  König  Ludwig  von
Ungarn  den  Ban  von  Bosnien,  Stefan  Tvrtko,  zum  Könige  von
Rascien,  Bosnien  und  der  Küste  (Chulm)  1376  und  entstand
so,  während  Serbien  sich  in  Fürstenthümer  zerbröckelte,  unter
magyarischer  Oberherrschaft  ein  neuer  slavischer  Krystallisationskern.
  Es  war  das  letzte  slavische  Königreich  des  Mittelalters, ­
  das  von  diesen  so  viele  kommen  und  vergehen  sah;  es
hat  seine  Existenz  mühevoll  87  Jahre  gefristet.
So  wäre  es  denn  eine  Lüge,  zu  sagen,  dass  den  Slaven
nicht  die  reichste  Möglichkeit  der  Entwicklung  und  die  vollste
Zeit  zu  derselben  gewährt  oder  von  ihnen  nicht  gebraucht
worden  wäre.  Es  gibt  keine  unsinnigere  Theorie  als  die  vor
wenigen  Jahren  in  Böhmen  aufgestellte,  dass  die  Slaven  berufen ­
  worden  seien,  die  Rolle  der  Märtyrer  zu  spielen,  während
sie,  wo  sie  konnten,  stets  vorzogen,  statt  zum  Amboss  zu
werden,  der  Hammer  zu  sein.  Da  tritt  gleich  anfänglich  das
Kaiserthum  der  Aseniden,  das  Königthum  der  Serben  auf.  Als
Osteuropa,  nicht  ohne  eigene  Schuld,  die  Beute  der  Tataren
wird,  galt  die  Monarchie  König  Ottokars  II.  nach  den  Worten
des  Bischofs  Bruno  als  Schutzmauer  gegen  die  hereinbrechende
Barbarei,  wie  sie  bei  dem  Verfalle  des  deutschen  Kaiserthums
die  Steiermark  vor  dem  Schicksale  rettete,  von  den  Magyaren
verschlungen  zu  werden.  Sie  fiel  aber  wie  das  Reich  der  Aseniden ­
  nur  durch  eigene  Schuld  und  jene  Ueberhebung  im
Glücke,  die  einen  charakteristischen  Zug  der  slavischen  Geschichte ­
  bildet.  Nichtsdestoweniger  erfolgte  die  Aufrichtung
einer  böhmisch-polnischen  und  einer  böhmisch-polnisch-ungarischen ­
  Monarchie  schon  in  der  nächsten  Generation  nach  Ottokar ­
  II.  und  ebenso  rasch  ihr  Untergang,  noch  ehe  der  Enkel
Ottokars  dem  Mordstahle  des  böhmischen  Adels  (1306)  erlegen.
56*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.