Abhandlungen ans dem Gebiete der slavischen Geschichte. IV.
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In diesen Zeitraum fällt übrigens die Begründung eines
neuen slavischen Königreiches. Das hochtönende des serbischen
,Königs, von Rascien, von Dioclea, von Albanien, Bulgarien und
der ganzen Küste vom adriatischen Golfe bis zum grossen
Donaustrome, des Königs und Selbstbeherrschers der Serben
und des Küstenlandes, der Romäer und Bulgaren, des Czaren
der Serben, der Romäer und der westlichen Gebiete, nicht minder
Albaniens, des Küstenlandes und des ganzen Westen* — wie
sich so gerne Stefan Duschau geschrieben — war vergangen,
als wäre es nie dagewesen. Jetzt ernannte König Ludwig von
Ungarn den Ban von Bosnien, Stefan Tvrtko, zum Könige von
Rascien, Bosnien und der Küste (Chulm) 1376 und entstand
so, während Serbien sich in Fürstenthümer zerbröckelte, unter
magyarischer Oberherrschaft ein neuer slavischer Krystallisationskern.
Es war das letzte slavische Königreich des Mittelalters,
das von diesen so viele kommen und vergehen sah; es
hat seine Existenz mühevoll 87 Jahre gefristet.
So wäre es denn eine Lüge, zu sagen, dass den Slaven
nicht die reichste Möglichkeit der Entwicklung und die vollste
Zeit zu derselben gewährt oder von ihnen nicht gebraucht
worden wäre. Es gibt keine unsinnigere Theorie als die vor
wenigen Jahren in Böhmen aufgestellte, dass die Slaven berufen
worden seien, die Rolle der Märtyrer zu spielen, während
sie, wo sie konnten, stets vorzogen, statt zum Amboss zu
werden, der Hammer zu sein. Da tritt gleich anfänglich das
Kaiserthum der Aseniden, das Königthum der Serben auf. Als
Osteuropa, nicht ohne eigene Schuld, die Beute der Tataren
wird, galt die Monarchie König Ottokars II. nach den Worten
des Bischofs Bruno als Schutzmauer gegen die hereinbrechende
Barbarei, wie sie bei dem Verfalle des deutschen Kaiserthums
die Steiermark vor dem Schicksale rettete, von den Magyaren
verschlungen zu werden. Sie fiel aber wie das Reich der Aseniden
nur durch eigene Schuld und jene Ueberhebung im
Glücke, die einen charakteristischen Zug der slavischen Geschichte
bildet. Nichtsdestoweniger erfolgte die Aufrichtung
einer böhmisch-polnischen und einer böhmisch-polnisch-ungarischen
Monarchie schon in der nächsten Generation nach Ottokar
II. und ebenso rasch ihr Untergang, noch ehe der Enkel
Ottokars dem Mordstahle des böhmischen Adels (1306) erlegen.
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