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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

880

Höflor.

abhängigkeit,  Besitzthum,  Recht,  das  Gefühl  menschlicher
Würde,  einer  besseren  Zukunft  und  Hess  ihnen  nur  die  Apathie
einer  stummen  Verzweiflung.  Die  Einen  verfielen  der  Sclaverei
und  die  Andern  wurden  verpflanzt,  die  Reicheren  verleugneten
ihren  Glauben,  um  ihre  Habe  zu  retten;  die  Bogumilen,  denen
es  gleichgiltig  war,  ob  sie  nach  Aussen  hin  sich  zum  Christenthum ­
  oder  zum  Islam  bekannten,  gingen  in  Masse  über.  Die
Familien,  welche  ihre  Herrschaften  behielten,  waren  zum  Kriegsdienste ­
  für  die  Osmanen  verpflichtet  und  bekämpften  nun  ihre
Glaubensgenossen,  schlugen  die  Schlachten  ihrer  Unterdrücker,
halfen  diesen  ihre  Zwingherrschaft  begründen  und  gewöhnten
sich  selbst  an  die  Entwürdigung  osmanischen  Hofdienstes.
Rasch  hatten  es  die  Sieger  verstanden,  die  griechische  Kirche
als  einen  Hebel  ihrer  Herrschaft  zu  verwenden.  Sie  triumphirte
über  die  slavische.  Lange  genug  hatten  diese  Völker  und
Dynastien  sich  und  Andere  am  Narrenseile  herumgeführt,  mit
den  Romäern  gekämpft,  mit  ihnen  sich  verbunden,  die  Aussöhnung ­
  mit  der  römischen  Kirche  geheuchelt  und  sie  aufgegeben, ­
  wenn  das  Entgegengesetzte  grösseren  Vortheil  versprach, ­
  mit  Allem  gespielt,  was  Anderen  heilig  war,  nicht
Treue,  nicht  Vertrag  gehalten,  die  sicherste  Grundlage  der
Staaten,  das  eheliche  Verhältnis,  nach  Willkür  zerstört.  Sie
selbst  waren  eine  Musterkarte  von  Reichen  geworden,  wie  sie
nicht  sein  sollten,  Bruder-  und  Vatermord  in  Serbien,  immerwährende ­
  Kämpfe  um  die  Herrschaft  in  Bulgarien,  Hineinziehung
von  Fremden  in  den  inneren  Streit,  Hass  gegen  Andersgläubige,
treuloses  Hin-  und  Ilerschwanken  von  einer  Richtung  zur
andern,  Verachtung  einer  Cultur,  die  sie  nicht  schaffen  konnten,
Vorliebe  für  jede  nationale  Unsitte  hatten  zuletzt  bewirkt,  dass
sie  auch  an  Niemandem  mehr  eine  Stütze  fanden.  Als
König  Sigmund  sich  aufmachte,  die  Christenheit  vor  dem
Hereinbruche  der  Osmanen  zu  retten,  hatte  er  den  Serben
Stefan  Lazarewic  und  den  Bulgarenkaiser  Sracimir  gegen  sich.
Sigmunds  Niederlage  bei  Nikopolis  (28.  September  1396)  vollendete ­
  den  politischen  und  socialen  Untergang  der  beiden
Hauptreiche  der  Südslaven.  Gerade  unter  so  schlimmen  äusseren
Verhältnissen  lösten  die  Polen  ihre  politische  Vereinigung  mit
den  Ungarn,  entsclilug  sich  König  Wenzel  des  Kaiserthums,
das  allein  noch  Mitteleuropa  aufzurichten  im  Stande  gewesen
            
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