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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  17.

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unterbrochen  an  der  Schwäche  und  Vernichtung  des  romäischen
Reiches  gearbeitet  und  die  Schuld  auf  sein  Haupt  gewälzt,  die
Verwirrung  auf  der  Balkanhalbinsel  bis  zu  dem  Punkte  vermehrt
zu  haben,  dass  sie  den  Osmanen  keinen  genügenden  Widerstand ­
  leisten  konnte.  Dreizehn  Feldzüge  vermochten  ihn  aber
doch  nicht  in  den  Besitz  von  Constantinopel  zu  setzen,  und
wenige  Jahre  nach  seinem  Tode  wurde  bereits  Adrianopel  die
Residenz  der  osmanischen  Sultane.  Während  1349  Erzbischof
Ernst  von  Pardubitz  in  seiner  grossen  Synode  die  Grundlage
zur  innern  Reform  Böhmens  legte  und  ,der  thierischen  Wildheit ­
  des  böhmischen  Adels'  entgegentrat,  sammelte  wohl  Stefan
Duschan  die  Reehtsgewohnheiten  Serbiens  und  verurtheilte  er
hiebei  die  Anhänger  der  lateinischen  Häresie  zu  den  Bergwerken.
Er  proclamirte  sich  als  Kaiser  der  Romäer  und  Serben,  während
seine  Kriege  den  tiefsten  Abscheu  der  Romäer  gegen  die  Serben
bethätigten.  Er  begründete  ein  eigenes  serbisches  Patriarchat,
mit  demselben  Rechte,  mit  welchem  er  sich  zum  Kaiser  erhob,
seiner  Willkür.  Das  hinderte  ihn  aber  nicht,  sich  um  Anerkennung ­
  der  Päpste  zu  bewerben  und,  um  dem  ungarischen
Kriege  zu  entgehen,  das  Verlangen  zu  stellen,  Capitan  der
römischen  Kirche  zu  werden.  Als  aber  der  päpstliche  Legat
kam,  verlangte  er  von  ihm  den  Fusskuss  und  zeigte  sich  die
gewöhnliche  Treulosigkeit  der  Nemanjiden  im  vollsten  Lichte. 1

1  Die  Sache  wurde  in  Avignon  mit  dem  grössten  Ernste  betrieben.  Es
handelte  sich  um  Rettung  der  lateinischen  Kirchen  in  Albanien  und
Serbien,  um  Gewinnung  des  mächtigen  Königs,  der  freilich  klug  genug
war,  von  dem  römischen  Stuhle  keine  Anerkennung  seines  improvisirten
Kaiserthums  zu  verlangen,  um  Erlangung  eines  Stützpunktes  gegen  das
Vordringen  der  Türken, 1  und  da  die  Gefahr  vor  diesen  immer  näher  und
näher  rückte,  nicht  blos  die  Inseln  des  Archipelagus  von  ihnen  bedroht
waren,  sondern  Klein-Armenien  und  Cyprus  so  gut  wie  die  Freiheit  der
Schifffahrt  auf  dem  adriatischen  Meere,  so  beschloss  Papst  rnnocenz  VI.,
einen  eigenen  Legaten  nach  Serbien  zu  senden  und  der  Gesandtschaft  die
möglichste  Würde  zu  verleihen.
Es  befand  sich  damals  an  dem  päpstlichen  Hofe  der  Bruder  Petrus
Thomasius  aus  dem  Carmeliterorden  (*f*  1366),  durch  Gelehrsamkeit
und  Sittenreinheit  gleich  hervorragend  wie  durch  Unerschrockenheit
und  persönliche  Aufopferung,  klein  von  Gestalt  und  unansehnlich,  in  der
rauhesten  Schule  des  Lebens  herangezogen,  in  bitterer  Armuth,  mit  aller
Noth  vertraut  und  nur  in  Gebet  und  Selbstverläugnung  Trost  und  Beruhigung ­
  findend.  Tu  Sales  de  Thomas  in  der  Languedoc  geboren,  so
            
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