Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

870

Höfl  er.

nöthig  habe,  der  Pflichten  und  Grundlagen  derselben  zu  gedenken, ­
  Rücksichten  zu  beobachten,  einer  Katastrophe  entgegen. ­
  Bereits  hatten  die  Könige  von  Ungarn  den  Titel  von
Königen  von  Bulgarien  und  Serbien  angenommen  und  war  es  1271
zu  einer  grossen  Auseinandersetzung  der  Häupter  der  Slavenmacht
  gekommen,  als  erst  der  Böhmenkönig  dem  Könige  von
Bulgarien,  Serbien,  Croatien,  Ungarn  und  dessen  Freunde  dem
römischen  Könige  Rudolf  erlag  (1278)  und  nun  der  Stamm  der
Arpaden  seinem  Untergange  entgegenging,  früher  ausstarb  als
der  premyslidische  in  Böhmen,  der  es  nur  zu  einer  fünffachen
Aufeinanderfolge  von  Königen  (bis  1306)  gebracht  hatte.  Jetzt
endlich,  beinahe  gleichzeitig  mit  der  nunmehr  bleibenden  Constituirung
  des  polnischen  Königthums,  begann  die  serbische
Macht  sich  zu  entfalten,  gegen  die  Romäer  wie  gegen  die
Bulgaren,  denen  die  Serben  im  Jahre  1330  eine  beinahe  tödtliche
  Niederlage  beibrachten.  Allein  dreissig  Jahre  später,  rasch
nach  Stefan  Duschans  Kaiserthum,  das  nur  in  Serbien  Anerkennung ­
  findet,  geht  dasselbe  und  die  serbische  Macht  bereits
dem  Verfalle  entgegen.  Bruderkrieg  und  Vatermord,  welche
im  Geschlechte  Nemanja’s  zur  Gewohnheit  werden,  waren  ein
schlechter  Kitt  zum  Aufbaue  eines  Staates.  Die  Hälfte  des
Blutes,  das  Serben  und  Bulgaren  darangesetzt,  das  romäische
Reich  zu  schwächen  und  eine  leichte  Beute  für  die  Osmanen
zu  werden,  hätte  hingereicht,  Serben  und  Bulgaren  vor  osmanischer
  Knechtschaft  zu'  bewahren,  die  im  Jahre  1389  schon
entschieden  war.  Nur  die  Form  derselben  war  noch  zweifelhaft. ­
  Als  es  aber  am  28.  September  1396  zur  grossen  Osmanenschlacht
  bei  Nikopolis  kam,  stand  der  römische  König  auf
der  einen  Seite.  Der  bulgarische  Czar  Sracimir  hatte  ihm  in
Widdin  (Bdyn)  Widerstand  geleistet,  der  Serbenfürst  Stefan
Lazarewic  kämpfte  auf  das  Tapferste  auf  Seite  der  Osmanen,
zwei  Jahre  später  war  der  letzte  bulgarische  Czar  von  Widdin,
Sultan  Bajesids  Gefangener,  und  vier  Jahre  später  Bajesid
Tamerlans  Gefangener,  ungeachtet  der  Tapferkeit  des  Serbenfürsten, ­
  dessen  Schwester,  Bajesids  Gemahlin,  Mundschenk  des
siegreichen  Mongolenherrschers  wurde  (1402).
Als  Stefan  Duschan  sich  den  Kaisertitel  beilegte,  gab  es
keinen  abendländischen  Kaiser.  Erst  im  Jahre  1355  sah  Rom
wieder  einen  Kaiser,  Karl  IV.,  König  von  Böhmen,  von  väter-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.