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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

.Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  IV.

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plexes  zu  erheben,  die  Königreiche  Polen  und  Ungarn  zu  erwerben ­
  und  so  ein  nichtdeutsches  Ostreich  zu  schaffen.  Es
bedurfte  der  ganzen  Zähigkeit  der  Habsburger,  ihrer  vollen
Erkenntniss  der  Wichtigkeit  der  Sache,  um  die  es  sich
handelte,  um  in  diesem  entscheidenden  Momente  das  deutsche
Interesse  nicht  untergehen  zu  lassen,  und  wie  schon  Rudolf
von  Habsburg  deshalb  das  Königreich  Ungarn  zu  erwerben
sich  bestrebte,  bot  sein  Sohn  König  Albrecht  alle  verfügbare
Macht  auf,  um  das  Königreich  Böhmen  nicht  blos  an  seinen
Sohn,  den  ersten  deutschen  König  Böhmens,  Rudolf  (f  1307),
sondern  dauernd  an  sein  Haus  zu  bringen,  dadurch  es  dem
deutschen  Reiche  zu  sichern.
Gleichzeitig  mit  dieser  doppelten  slavischen  Richtung,  von
welcher  die  eine  nicht  genug  Kaiserthümer  schaffen  konnte,
die  andere  in  geträumter  Selbstgenügsamkeit  die  Mühen  des
(deutschen)  Kaiserthums  von  sich  stiess  und  dadurch  wider
Willen  der  Erhebung  Rudolfs  von  Habsburg  vorarbeitete,  erfolgten
zwei  Invasionen  in  die  slavischen  Länder,  die  eine  geradezu
entsetzlich,  von  unersättlichem  Blutdurste,  Mord  und  Brand  begleitet, ­
  so  dass  alle  Gräuel  der  Völkerwanderung,  der  Hunnenund
  Avarenperiode  dagegen  verschwinden:  der  Tatareneinbruch ­
  in  Russland,  in  Polen,  in  Ungarn,  in  Dalmatien,  bei
den  Südslaven.  Eine  unabsehbare  Bresche  war,  als  Slaven  und
Magyaren  sich  1241  als  schlechte  Grenzhüter  gegen  die  scheusslichste
  Barbarei  erwiesen,  König  Wenzel  mit  den  Czechen  erst
nach  der  Schlacht  bei  Liegnitz  eintraf,  in  die  CuHur  von  Osteuropa ­
  gelegt;  die  Kumanen  drängten  nach  und  die  Wlachen
hatten  bereits  begonnen,  neben  den  Bulgaren  eine  Rolle  zu
spielen.  Da  war  glücklicher  Weise  die  andere  Invasion  friedlicher ­
  und  ruhiger  Art,  aber  in  ihrer  Art  auch  unaufhaltsam,
schon  in  vollem  Zuge,  die  der  deutschen  Bauern,  Handwerker,
Bürger,  die  in  den  slavischen  Wäldern  ihre  Dörfer  bauten,
Städte  mit  Stadtrechten  begründeten,  die  Lücken  in  der  Bevölkerung ­
  ausfüllten,  nach  Siebenbürgen,  nach  Galizien,  nach
Polen,  nach  Böhmen  drangen,  und  wo  die  Eroberung  der
deutschen  Kaiser  nicht  hingelangte,  mit  dem  Pfluge,  mit  ihrem
Gewerbe  und  Handel,  mit  dem  Bürger-  und  Bauernrechte
einem  dritten  Stande  ebenso  wie  der  deutschen  Nationalität
auf  slavischem  Boden  Anerkennung  schufen.  Kein  gemein-55*

            
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