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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Sauer.

Fassung  des  Gedichtes  muss  der  Text  in  der  Ramierischen
Ausgabe  von  1760  zuerst  verglichen  werden.  Da  ergiebt  sich
denn  die  merkwürdige  Thatsache,  dass  bis  Seite  21  dieser
Ausgabe,  bis  90,  165  meiner  Zählung,  sich  bedeutende  Abweichungen ­
  von  G  finden,  während  von  da  ab  R  vollständig
mit  G  übereinstimmt,  ausgenommen  kleine  Aenderungen  in  den
Versen  232  f.,  wo  R  V/ 2  in  G  gestrichene  Verse  aus  den  früheren
Ausgaben  wieder  einfügt,  265,  288,  302,  310,  333,  336,  342,
358  und  396.  In  der  dritten  Ramierischen  Ausgabe  von  1771
2.  Bd.  S.  20  findet  sich  bei  diesem  Verse  165  die  Anmerkung:
,Bis  hiebei'  geben  die  letzten  Verbesserungen,  die  dieses  Gedicht
erhalten  hat.  Der  Dichter  wäre  damit  fortgefahren,  wenn  ihn
der  Tod  der  Helden  nicht  übereilet  hätte 4 ,  auf  den  ersten  Blick
enthalten  diese  Worte  einen  Widerspruch  gegen  die  Vorrede,
welche  ausdrücklich  besagt,  der  Dichter  habe  schon  vor  zwei
Jahren  das  fertige  Manuscript  in  die  Hände  der  Herausgeber
gelegt.  Andererseits  wissen  wir  durch  Lessing  im  Laokoon
(Werke  VI.  S.  109)  dass  Kleist  an  eine  Umarbeitung  des
Frühlings  dachte,  dass  er  einen  Plan  hinein  legen  wollte  und
auf  Mittel  sann,  ,wie  er  die  Menge  von  Bildern,  die  er  aus  dem
unendlichen  Raume  der  verjüngten  Schöpfung  auf  Gerathewohl,
bald  hier  bald  da  gerissen  zu  haben  schien,  in  einer  natürlichen
Ordnung  vor  seinen  Augen  entstehen  und  aufeinander  folgen
lassen  wolle 4 .  Abgesehen  davon,  dass,  für  mein  Gefühl,  Lessing
hier  die  begonnene,  mehr  als  ein  Drittel  des  Gedichtes  umfassende, ­
  letzte  Umarbeitung,  unbedingt  hätte  erwähnen  und
lobend  heranziehen  müssen,  wenn  er  sie  selbst  für  gut  und  echt
gehalten  hätte,  zeigt  dieselbe  in  keiner  Hinsicht  eine  Annäherung ­
  an  das  von  Lessing  angestrebte  Ideal;  der  einzige
grössere  Zusatz  (Anhang  Nr.  104,  76—82  meiner  Ausgabe)  trägt
mehr  den  Charakter  des  Abrupten  als  andere  Episoden;  man
kann  von  Aenderungen  im  Plane  nicht  recht  sprechen,  nur
einzelne  Gedanken  sind  manchmal  in  ihrer  Reihenfolge  vertauscht; ­
  dagegen  sind  die  Aenderungen  durchgehend  stilistischer, ­
  sprachlicher  und  metrischer  Art.  Ramler  —  denn  er  ist
sicher  der  Ueberarbeiter  —  entfernt  Bilder,  Vergleiche,  Tropen,
die  ihm  unpassend  scheinen.  Wenn  Kleist  G  43  die  jungen
Mädchen,  welche  sich  in  Seen  und  Bächen  betrachten,
Jungen  Blumen  des  Ufers 4  vergleicht,  so  schafft  Ramler  38
            
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