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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte,  IV.

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Römer  berührt,  suchte  eine  Schule  zu  begründen,  nicht  blos
Asceten  oder  Einsiedler,  sondern  Männer,  die  auch  den  geistigen ­
  Kampf  mit  Waffen  der  Wissenschaft  zu  führen  vermochten ­
  und  knüpfte  in  dieser  Beziehung  an  die  lateinischen
und  griechischen  Kirchenväter,  an  die  Wirksamkeit  des  heiligen
Bonifacius  und  der  Mönche  von  Fulda  an.  In  Serbien  wie
in  Bulgarien,  dessen  Kirche  sich  auch  autonom  gestaltet,  als
Saba  sich  dahin  wandte,  tritt  der  Weltelerus  in  den  Hintergrund, ­
  der  Anachoret  ist  es,  der  Mönch,  der  dem  Laien  gegenüber ­
  tritt,  von  dem  ihn  eine  weite  Kluft  trennt,  die  nur  ausfüllbar
  ist,  wenn  dieser  Mönch  wird.  Saba  sorgt  nicht  für
wissenschaftliche  Bildung,  nur  für  Reliquien  und  Bilder,  für
eine  Nationalkirche,  die  das  Königthum  der  Nemanjaden  stützt,
jede  geistige  Bewegung  scheut,  jedem  Gegensätze  feind  ist,
aber  nicht  einmal  den  Bogumilismus  im  eigenen  Lande  zu
überwinden  vermag.  Es  ist  die  Verknöcherung  des  geistigen
Lebens,  der  Stillstand,  wie  er  sich  im  russischen  Reiche  zeigt,
die  Selbstgenügsamkeit  mit  aviten  Zuständen,  denen  gegenüber ­
  sich  die  Geheimsecte,  der  Nihilismus  der  Bogumilen  breit
macht.  Es  ist  übrigens  merkwürdig,  dass  in  der  von  einem
Schüler  Saba’s  verfassten  Lebensbeschreibung  des  serbischen
Czarevic  von  der  Wirksamkeit  Cyrills  oder  Methuds  nicht  eine
Spur  zu  finden  ist. 1  Sie  passt  nicht  zur  serbischen  National-1

  Das  Leben  des  heiligen  Saba  (geboren  1169,  gestorben  14.  Deeember  1237),
Sohn  des  Begründers  des  Hauses  Nemanja  (Stefans  I.),  der  selbst
als  Mönch  Simeon  13.  Februar  1200  starb,  wurde  durch  einen  seiner
Schüler,  Dometian,  aus  dem  serbischen  Hauptkloster  Khilandar  (um  1264),
niedergeschrieben  und  dann  von  dem  russisch-orthodoxen  Bischöfe  Givkovich
  absichtlich  verstümmelt  herausgegeben.  Es  ist  deshalb  der  Grad
der  Glaubwürdigkeit  dieser  sonst  so  interessanten  Geschichtsquelle  seinschwer
  zu  ermitteln.  Ein  grosser  Theil  der  Lebensbeschreibung  besteht
aus  Gebeten,  welche  Saba  gehalten  und  die  begreiflich  nur  er  allein  aussprach ­
  und  somit  auch  Niemand  Anderer  hörte.  Wieder  ein  nicht  unbeträchtlicher ­
  Theil  besteht  aus  Wundern,  von  denen  man  annehmen
kann,  dass  sie  Bischof  Givkovich  eher  mehrte  als  minderte,  während  er
die  historischen  Thatsaehen,  die  uns  ganz  besonders  interessiren,  wie
dieses  Chodzko  (legendes  slaves  du  moyen-äge  1169—1237.  Paris,  librairie
orientale  de  Benjamin  Duprat,  1858,  p.  II)  nachwies,  in  seinem  orthodoxen
Purificirungstriebe  verstümmelte.  Der  historische  Inhalt  concentrirt  sich
in  nachfolgenden  Thatsaehen:  1.  Saba,  oder  wie  er  frülier  liiess,  Rastko,
war  der  jüngere  Sohn  des  Grossfürsten  Nemanja,  Beherrschers  von  Dio-
            
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