Abhandlungen ans dem Gebiete der slavischen Geschichte. IV.
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Misoslaven hinwiesen. Uebrigens konnten ja so gut, wie die
spätem romäischen Kaiser sich eigenmächtig Komnenen nannten,
die Aseniden sich nach den alten bulgarischen Herren nennen!
Man wird mir daher schon gestatten müssen, mich drei
Male zu besinnen, ehe ich diese bulgarische Legende vom
heiligen Demetrius, der noch dazu auf Gottes Befehl dem
(nicht vorhandenen) Patriarchen Johannes den Auftrag ertheilte,
Äsen, der nicht gekrönt wurde, zum Kaiser zu krönen, was
der Patriarch auf diesen Befehl hin gethan haben soll — als
authentisch anzusehen und mich darauf zu stützen.
Verhält es sich doch im neuen serbischen Reiche in
ziemlich analoger Weise.
Wie die Geschichte des grossmährischen Reiches wahren
Inhalt und Bedeutung erst durch das Auftreten Cyrills und
Methuds gewinnt, seine Blüthe, sein Bestand, seine Zukunft
an die Frage sich knüpfen, ob die Wirksamkeit des
letzteren nur transitorisch ist oder Wurzeln schlage, knüpft
sich die Bedeutung des serbischen Reiches und des Königthums
der Nemanjaden an die Persönlichkeit Rastkos, des
nachherigen Erzbischofs Saba an. War Methud kein Mährer,
kein Pannonier, sondern ein Thessalonicenser, ein Fremder
unter den Slaven, für die sein Bruder die Schrift, er die Liturgie
erfand, so hatte der Sohn des Grosszupan Stefan von
Serbien, der mit Kaiser Friedrich Barbarossa unterhandelt, den
grossen Vortheil, den Serben, für die er wirkte, als Serbe
gegenüber zu stehen und zugleich durch seine kirchlichen
Bemühungen die Herrschaft seines Hauses zu befestigen, zu
welchem Zwecke ihm die Legende selbst das Wunder der
Todtenerweckung seines Bruders Stefan II. beilegt, als dieser
ohne Bestimmung der Erbfolge gestorben war. Bei Methud,
den der Gedanke beseelt, den Slaven eine nationale Liturgie
zu geben, wie sie die Römer und Griechen besassen, und dadurch
die Reihe der slavischen Kirchenväter zu eröffnen,
herrschte der kühne Plan vor, durch die von ihm gebildete
Schule nicht blos einem der vielen slavischen Stämme einen
geistigen Mittelpunkt zu geben, sondern allen ein gemeinsames
Centrum zu schaffen, alle unter dem Papste zu einer einheitlichen
Entwicklung zu bringen, ein Plan, der, wenn er auch
misslang, ja im Gedränge zwischen Orient und Occident miss-