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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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HSfler.

slavisches  Volk,  geschah  sicher  in  derZeit  des  politischen  Verfalls ­
  und  der  Unterdrückung.  Man  musste  mit  dem  neuen
Zeiträume  die  slavische  Geschichte  wieder  von  Neuem
anfangen  und  stand  doch  schon  im  zwölften  Jahrhunderte
der  christlichen  Zeitrechnung.
Bei  dieser  schweren  Katastrophe  der  slavischen  Welt  fragt
man  sich:  wo  bleiben  denn  die  Slovenen,  die  sich  nach  dem
Norden  wandten,  die  Polotschaner,  Dregowitschen,  Radimitschen
(Polanen),  Wjatitschen,  Sewerier,  Kriwitschen,  Drewier,  Duljebier,
  Bugier,  die  weissen  Chrowaten,  Lutitschen  und  Tiwerzen
und  Uglitschen,  die,  in  Wäldern  und  Sümpfen  des  Nordens
versteckt  und  in  der  Nacht  des  Heidenthums  begraben,  durch
Avaren,  Bulgaren,  Petschenegen,  Magyaren  von  den  übrigen
Slaven  getrennt,  noch  mehr  durch  Rohheit  und  blutigen  Cultus
isolirt,  unbekümmert  um  den  Gang  der  Weltgeschichte  die
Jahrhunderte  kommen  und  gehen  Hessen?  Erst  im  IX.  Jahrhunderte ­
  begann  es  bei  diesen  zu  tagen,  als  die  Einwanderung
der  scandinavischen  Ross  erfolgte  und  die  Wildheit  der  Einen
durch  den  Ungestüm  der  Andern  gebändigt  wurde,  das  Joch
des  erbarmungslosen  Siegers  die  Zerstreuten  vereinigte,  wenn
auch  zuerst  der  Sturm  unaufhaltsam  vom  Norden  nach  dem
Süden  brauste  und  die  Eroberung  beinahe  weniger  den  Slavenstämmen
  als  dem  südlich  gelegenen  römischen  Reiche  galt,
dessen  Glanz  und  Reichthum  mehr  Anziehungskraft  hesass  als
die  nordslavischen  Stämme.  Erst  gegen  Ende  des  X.  Jahrhunderts ­
  und  namentlich  nach  den  schlimmen  Erfahrungen
Swiatoslavs  tritt  ein  anderer  Zug  ein  und  handelt  es  sich  darum,
die  erworbene  Herrschaft  Ruriks,  seines  Geschlechtes  und
seiner  Genossen  zu  behaupten,  und  entstehen  nun  jene  russischen ­
  Fürstentümer,  die,  aus  dem  Grossfürstenthum  Kiew
hervorgegangen,  die  Slavisirung  der  Sieger  erleichtern.  Zur
Theilung  des  Besitzthums,  das  nach  Jaroslavs  Tode  1054  schon
sechsfach  ist,  gesellt  sich  aber,  je  mehr  der  slavische  Volksbestandtheil
  den  scandinavischen  beseitigt,  die  in  ihren  schlimmen
Folgen  sich  überall  gleich  bleibende  Erbfolgeordnung  des  Seniorates
  statt  der  Primogenitursuccession,  damit  der  häufige
Wechsel  im  Grossfürstenthum,  das  die  politische  Einheit  repräsentirt,
  und  mit  dem  häufigen  Wechsel  die  zunehmende
Schwäche  im  Centrum,  das  Uebergewicht  der  einzelnen  Reiche
            
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