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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Höfler.

Nach  allen  Seiten  hin  machte  sich  schon  bei  der  Genesis
der  slavischen  Reiche  die  Verwirrung  geltend.
Auch  in  Serbien,  das  gleich  Anfangs  durch  Heraklius
römische  Geistliche  erhalten,  war  anfänglich  der  römische  Einfluss ­
  herrschend,  während  die  Serben  zum  romäischen  Reiche,
die  Croaten  aber  zum  ostfränkischen  hielten.  Als  die  Bajuwaren
sich  Carentaniens  bemächtigten,  dorthin  sich  die  Salzburger
Missionäre  wandten,  endlich  des  ostfränkischen  Königs  Karlmann ­
  Sohn,  Arnulf,  Herzog  von  Carentanien  wurde,  ging
dieses  Land  für  die  slavische  Welt  verloren.  Der  mährische
Grossfürst  Swatopluk  unterstützte  selbst  Arnulf  in  seinen  Bemühungen, ­
  Kaiser  Karl  III.  zu  stürzen,  und  wirklich  wurde
Arnulf  ostfränkischer  König  und  später  selbst  Kaiser.  Als
Swatopluk,  der  nicht  blos  den  slavischen  Gottesdienst  beseitigte,
sondern  auch  selbst  die  Einrichtungen  zerstörte,  welche  die
Grundlage  der  Unabhängigkeit  des  mährischen  Reiches  werden
konnten,  ward  er  selbst  Anlass  zur  frühen  Katastrophe  seines
Reiches,  das  nicht  wieder  hergestellt  wurde.  Bereits  war  der
Einbruch  der  Magyaren  erfolgt,  der  Feinde  der  Bulgaren,  die
aber  erst  die  Slaven  bekämpften  und  dann  für  das  deutsche
Reich  wurden,  was  die  Bulgaren  für  das  romäische  Reich  geworden ­
  waren.  Damals  starb  Fürst  Swatopluk,  gerade  als  ein
langes  Leben  für  die  Erhaltung  des  Mährerreiches  Lebensbedingung ­
  geworden  war  (894),  und  nun  rissen  sich  sämmtliche
Herzoge  der  Boemanen  (Czechen),  die  bisher  auf  Seite  der
Mährer  gestanden,  von  diesen  los,  unterwarfen  sich  in  Regensburg ­
  König  Arnulf  (895),  und  Böhmen  gehörte  von  nun  an  zur
Diöcese  Regensburg  und  zur  lateinischen  Welt,  zudem  deutschen ­
  Reiche,  wie  Carentanien,  nur  mit  dem  Unterschiede,
dass  Böhmen  seine  einheimische  Fürstenfamilie  behielt;  das
war  aber  gerade  jetzt  um  so  wichtiger,  als  nun  in  Mähren
unter  den  Söhnen  Swatopluks  in  gewohnter  Weise  der  Bruderkrieg ­
  ausbrach,  und  die  Magyaren  jetzt  selbst  von  den  Mährern
herbeigerufen  wurden.  Mit  dem  Untergange  der  Dynastie
schwand  die  Unabhängigkeit  der  Mährer,  das  Volk  selbst  gerieth
  unter  die  Botmässigkeit  der  Magyaren,  die  jetzt  ihr  Reich
auf  den  Untergang  aller  Nachbarstaaten  gründeten  und  einen
neuen,  vierten  Complex  der  slavischen  Welt  aufrichteten.
Schon  900  klagten  die  ostfränkischen  Bischöfe,  die  Mährer
            
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