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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Abhandlungen  ans  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  IV.

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zusammengesetzt,  die  Mitte  desjenigen  Erdtheiles  einigte,
welcher  zuletzt  der  Mittelpunkt  der  alten  Geschichte  geworden
war.  Als  aber  diese  beiden  Reiche  schon  längst  dastanden,
das  eine  als  die  natürliche  Fortsetzung  des  von  Constantin
erneuerten  Römerreiches,  und  das  andere  in  seiner  Weise
gleichfalls  das  römische  Reich  erneuernd,  rangen  die  slavischen
Völker  noch  immer  um  ihr  politisches  Dasein.  Nicht  sie  hatten
sich  von  den  Hunnen  befreit;  nicht  sie  hatten  die  Macht  der
Avaren  zertrümmert.  Mit  diesen  waren  die  Slaven  vor  Constantinopel
  gezogen,  dessen  Eroberung  ihre  avarische  Knechtschaft ­
  verewigt  hätte.  Kaiser  Heraklius  hatte  sie  erst  constituirt,
  ein  Franke  im  Westen  den  Streich  gegen  die  Avaren
geführt;  als  aber  Samo  gestorben  war,  war  es,  als  wäre  er  nie
dagewesen;  man  erwartet  von  der  Einwanderung  der  Serben
und  Croaten  den  Anfang  einer  lebensvollen  Geschichte,  und
man  hört  nur  von  Piraterien.  An  die  Stelle  der  Avaren  treten
die  Bulgaren,  und  man  muss  einer  Erneuenmg  der  gi’ossen
Belagerung  von  Constantinopel  im  Jahre  626  gewärtig  sein,
als  der  bulgai’ische  Chagan  815  stirbt,  ehe  es  ihm  gelang,  wie
er  wollte,  die  Slaven  zum  Sturme  der  Kaiserstadt  zu  vereinen.
Er  konnte  den  Kaiser  Nikophoros  schlagen  und  tödten  (811),  sein
Reich  zu  erobern  war  ihm  nicht  beschieden,  so  wenig  als  die
avarischen  Zeiten  zu  erneuern.  Das  romäische  Reich  erhielt
sich  mit  jener  wunderbaren  Widerstandsfähigkeit,  welche  ein
civilisirter  Staat  zu  entwickeln  vermag.  Ein  zweites  war  ihm
im  Westen  an  die  Seite  getreten;  beide  waren  riesige  Pfeiler,
an  welchen  sich  die  Wogen  slavischer  Völkei-strömung  bi'echen
mussten,  Marksteine  für  ihre  zukünftige  Entwicklung.  Es  gab
noch  etwas  Höheres  als  bulgarische  Amalgamie  und  avarische
Hegemonie.  Von  letzterer  befreite  sie  Karl  der  Grosse  für
alle  Zeiten  und  substituirte  nun  an  die  Stelle  tüx-kischer  Barbarei
sein  Reich,  das  deutsche,  mit  allen  Gebrechen  des  IX.  Jahi'hunderts,
  mit  allen  den  Vorzügen  der  fränkisch-christlichen  Monarchie. ­
  Er  wies  seinen  Nachfolgern  den  Weg  in  das  Wendenland, ­
  er  knüpfte  die  karolingischen  Ostslaven,  Carentanen,
Mährer  und  Czechen  aneinander,  als  hätte  er  eine  Vorahnung
besessen,  dass  den  Slaven  in  nächster  Zeit  eine  neue  Versuchung ­
  sich  nahe,  statt  an  die  beiden  Culturreiche,  an  die
wüthenden  Waraeger  des  Nordens,  an  die  wüthenden  Magyaren
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