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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Höf  ler.

die  Auswanderung-  der  Langobarden  nach  Italien,  wodurch  die
unteren  Donauländer  von  Pannonien  an  von  den  Deutschen
geräumt  wurden,  das  alte  Markomanenland  nicht  minder;  die
Slaven  waren  die  Erben  der  Germanen  geworden,  wohnten,
wo  diese  Jahrhunderte  hindurch  ihre  Sitze  aufgeschlagen,  ihre
Reiche  begründet  hatten,  der  Exodus  aus  den  unteren  Donauländern ­
  beendete  die  germanische  Völkerwanderung  und  iiberliess
  Anten  und  Sklabenen  den  Kampfpreis  von  Jahrhunderten,
selbst  die  Heimat  Marbods,  Bojohemum,  von  wo  dieser  über
Rom  die  grösste  Gefahr  gebracht;  es  war  eine  freiwillige  Gebietsabtretung, ­
  wie  die  Geschichte  keine  ähnliche  kennt.  Ich
glaube  mich  nicht  zu  irren,  wenn  ich  sage,  der  entscheidende
Moment  für  die  slavische  Geschichte  war  jetzt  eingetreten,
wenn  eben  an  sie  der  gleiche  Massstab  wie  an  die  deutsche
gelegt  werden  darf.  Die  Hunnen  werden  zurückgedrängt,
Europa  gehörte  den  Römern,  den  Deutschen,  den  Slaven,  wenn
diese  sich  eine  Organisation  zu  geben  wussten,  wenn  in  ihrer
Mitte  ein  Alarich,  ein  Ataulf,  ein  Geiserich,  ein  Theodorich,
ein  Clovis  oder  Alboin  erstanden.  Allein  das  ist  eben  das
Bedeutsame,  dass  sich  die  slavische  Geschichte  nicht  wie  die
deutsche  gestaltete;  nicht  als  wenn  die  Slaven  friedlicher  gewesen ­
  wären,  wie  man  so  lange  wider  alle  Geschichte  behauptete,
sondern  weil  es  ihnen  eben  an  Königen,  an  Adel,  an  Freien,  an
jener  inneren  Organisation  fehlte,  welche  schon  Tacitus  bei  den
Germanen  als  diesen  eigenthümlich  hervorhob;  daher  kommt
es,  dass,  obwohl  die  mächtigsten  deutschen  Stämme  in  der  nächsten ­
  Zeit  ihren  Untergang  fanden,  zuletzt  die  übrigen  doch  noch
so  viel  Kraft  besassen,  ein  Reich  zu  begründen,  das  sich  dem
römischen  von  Constantinopel  zur  Seite  stellen  konnte.  In  der
Staatenbegründung  .liegt  somit  der  Hauptunterschied  zwischen
den  gei-manischen  und  slavischen  Völkern.  Das  war  eben  der
Fluch  der  bösen  That,  dass  Anten  und  Sklabenen,  anstatt  den
Pfaden  der  West-  und  Ostgothen,  der  Franken  und  anderer
deutschen  Völker  nachzufolgen  und  feste  Wohnsitze  auf  römischem ­
  Grunde  und  Boden  zu  nehmen,  mit  den  römischen  Einwohnern ­
  in  ein  Rechtsverhältniss  zu  treten,  vorzogen,  das
römische  Reich,  so  weit  sie  konnten,  wüste  zu  legen,  es  auszumorden, ­
  anstatt  es  zu  beleben,  nur  eine  Periode  der  Feindschaft ­
  kannten,  aber  nicht  an  einer  Wiederherstellung-  arbeiteten.
            
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