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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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H  ö  f  1  e  r.

eigene  Könige  erhielten,  die  Habsburger  von  beiden  Thronen  ausgeschlossen, ­
  und  damit  ja  durch  sie  keine  Vereinigung  im  Osten
stattfinde,  die  Jagellonen  aus  Polen  auf  den  böhmischen  Thron
befördert  wurden.  Damals  wurde  Böhmen  getheilt,  nannte  sich
der  ungarische  König  König  von  Böhmen  wie  Wladislaus  Jagello
  und  die  politische  Intrigue  König  Georgs  schlug  Niemanden ­
  härter  als  Böhmen  selbst.  Dann  wurde  durch  einen  jener
unvermutheten  Vorgänge,  an  welchen  die  slavische  Geschichte
so  reich  ist,  Böhmen  mit  Ungarn  vereinigt  und  nochmal  das
deutsche  Haus  der  Habsburger  von  Beiden  ausgeschlossen,  als
auch  dieser  Plan  scheiterte  und  die  Katastrophe  erfolgte,  die
sich  über  Belgrad  nach  Mohacs  und  Ofen  heranwälzte.  Man
hatte  es  dahin  gebracht,  dass  das  deutsche  Wien  Grenzfestung
gegen  die  Osmanen  wurde,  Ungarn  ein  Vasallenstaat  des  Padischah
  der  Osmanen,  Polen  sich  mit  Mühe  der  Tataren  erwehrte, ­
  der  Czar  von  Moskau  aber  den  Bezwinger  der  Christenheit, ­
  Sultan  Soliman,  seinen  lieben  Freund  und  Bruder  nannte.
Es  stellen  sich  somit  nachfolgende  Perioden  der  slavischen
Geschichte  heraus:
Erstens  eine  hunnisch-avarische,  die  durch  die  Erlangung ­
  fester  Ansiedlungen  geschlossen  wird.  Erst  von  dieser  Zeit
an  kann  von  einer  slavischen  Geschichte  die  Rede  sein  und  selbst
jetzt  im  VII.  Jahrhunderte  noch  nicht  von  geordneten  Staaten
und  einer  durch  genaue  Aufzeichnungen  beglaubigten  Geschichte.
Zweitens  eine  bulgarische  Periode,  welcher  im  IX.  Jahrhunderte ­
  die  karolingische  zur  Seite  steht.  Jetzt  erst  erfolgt
der  Untergang  der  Avarenmacht,  das  Emporkommen  des  grossmährischen ­
  Reiches,  der  Anschluss  Carentaniens  an  Bajoarien,
der  czechischen  Herzoge  an  das  ostfränkische  Reich,  die  Invasion ­
  der  Normanen  (Russen)  im  Nordosten,  die  Durchbrechung
der  Donauslaven  durch  die  Magyaren,  so  dass  der  Zeitraum
der  Begründung  von  Sklabinien  mit  einer  allgemeinen  Katastrophe ­
  endet  und  die  slavische  Geschichte  aufs  Neue  begonnen
werden  muss.
Drittens  die  romäisch-deutsche  Periode,  die  Einwirkung
der  beiden  Kaiserreiche  auf  die  slavische  Welt,  die,  zwischen
beide  gestellt,  von  ihnen  die  Lebensimpulse  empfängt.  Einerseits ­
  der  tragische  Untergang  der  beiden  bulgarischen  Reiche
durch  die  Byzantiner  (Romäer)  und  die  Entfaltung  desKomnenen-
            
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