816
Höfler.
sind sie durch sich selbst, wozu durch Andere gelangt, welche
Culturentwicklung können sie als ihr geistiges Eigenthum für
sich in Anspruch nehmen, wie weit haben sie die Weltgeschichte
gefördert und was ist, nach ihren Antecedentien zu schliessen,
von ihnen zu erwarten, wenn ihnen wirklich der grosse Wurf
gelingen sollte, über die romanischen und germanischen Völker
hinweg an die Spitze europäischer Nationen sich zu erschwingen,
die Leitung der Weltgeschichte in ihre Hand zu nehmen?!
§• 2.
Die Periodisirung.
I. Sobald man sich der Mühe unterzieht, jene Entwicklungsstadien
ausfindig zu machen, welche den Einblick in die genetische
Aufeinanderfolge der Völker und Zeiten gewährt, tritt
irns ein verhängnissvoller Zug der slavischen Völker entgegen,
der ihre Geschicke für Jahrhunderte bestimmt. Es ist dies der
so lang andauernde Anschluss an orientalische Völker, von dem
sich die Germanen so bald als möglich frei zu machen wissen.
Wie bekannt, erfolgt ein allgemeiner Auszug der Deutschen
von dem Osten nach dem Westen, nach dem Süden, und hausten
Slaven und Deutsche früher zusammen, so gibt es im IV. Jahrhundert
der christlichen Zeitrechnung an der unteren Donau
wohl Anten und Sklabenen, die beiden Hauptzweige der zahllosen
slavischen Stämme, aber keine Deutschen mehr. Die
Schlachtfelder der Gothen auf der Balkanhalbinsel, der Gepiden
und Langobarden sind aufgegeben, der äusserste Westen Europas,
die Nordküste von Afrika wurden von den Deutschen aufgesucht,
und durch die leergewordenen Stätten der Quaden und
Markomanen dringen nun im weiten Bogen die Slaven vor.
Wäre es nun ihre Aufgabe gewesen, sich so zu entwickeln
wie die Deutschen, so müssten wir von einem slavischen Geiserich,
Dietrich von Bern, Clovis und Alboin hören. Statt dieser
Königsgestalten der Germanen tritt uns die Verbindung der
Slaven mit den Hunnen, mit den Ablegern derselben, mit den
Bulgaren und Avaren entgegen; nicht einer der Ihrigen, ein
Franke, Samo, befreit die Wenden vom avarischen Joche, und
der Franke Karl der Grosse rächt durch den Avarenkrieg die
lange Unterdrückten an ihren Peinigern.