Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

814

Höf  ler.

Vielherrschaft  zu  begegnen,  als  die  Einführung  der  Senioratserbfolgeordnung,
  eine  echt  slavische  Einrichtung,  die,  weit  entfernt, ­
  das  Uebel  zu  heben,  es  erst  noch  vermehrte  und  zuletzt
zu  dem  Einzigen  führte,  was  helfen  konnte:  sich  durch  den
deutschen  König  die  Nachfolge  des  eigenen  Sohnes  bestimmen
zu  lassen.  Die  czechisclien  Geschichtschreiber  sind  freilich
gewillt,  darin  eine  Anmassung  der  deutschen  Könige  und  einen
unerlaubten  Eingriff  in  die  Gerechtsame  des  czechischen
Volkes  zu  erblicken.  Dann  aber  wäre  die  Begründung  des
böhmischen  Königthums  durch  Heinrich  IV.  und  Friedrich  Barbarossa ­
  wohl  noch  eine  grössere  Anmassung  gewesen,  und
wenn  nach  dem  Tode  König  Wladislaus’  I.,  Friedrich  Barbarossa ­
  und  Heinrich  VI.  das  Königthum  wieder  eingehen
Hessen,  und,  als  die  Premysliden  am  kaiserlichen  Hofe  um  das
Herzogthum  betteln  gingen,  dasselbe  nach  Gutdünken  gewährten
oder  entzogen,  wäre  somit  der  ursprüngliche  Zustand  restituirt
worden,  weil  dadurch  das  Herzogthum  wieder  restaurirt  worden
war!  So  lange  es  aber  premyslidische  Nebenlinien  gab,  war  selbst
die  böhmische  Krone  in  ihrem  Bestände  nicht  sicher,  und  selbst
die  Nachfolge  des  Erstgebornen  musste  1216  durch  den  deutschen
König  bestätigt  werden,  nachdem  seine  Wahl  durch  Magnaten
und  Adel  erfolgt  war.  Als  endlich  das  streitbare  Haus  bis  zur
königlichen  Linie  eingeht,  entsteht  erst  der  Kampf  der  Magnaten
mit  dem  Königthum  und  findet  Ottokar  im  Streite  mit  seinen
königlichen  Aeltern  Unterstützung  durch  den  Adel.  Der  Adel
treibt  ihn  zum  verhängnissvollen  Scln-itte,  die  deutsche  Krone
nicht  anzunehmen,  verlässt  ihn  im  Entscheidungskampfe,  führt
durch  den  Mord  Wenzels  den  Untergang  der  einheimischen
Dynastie  herbei,  erhebt  Könige  und  stürzt  sie,  reisst  unter
König  Johann  alle  Domänen  an  sich,  verwirft  unter  König  Karl
die  Bürgschaft  eines  gesetzlichen  Zustandes  der  Dinge,  die
Majestas  Carolina,  nimmt  König  Wenzel  IV.  gefangen,  begünstigt
die  husitische  Revolution,  die  das  Königthum  beseitigt,  wendet
sich  dann  gegen  die  Taboriten  und  mischt,  als  die  luxemburgische ­
  Dynastie  ausstarb,  auf  die  kurze  Regierung  König
Albrechts  die  vormundschaftliche  über  seinen  nachgebornen
Sohn  König  Ladislaus  folgte,  die  Karten  so  geschickt,  dass
endlich  die  zum  Throne  berufenen  fürstlichen  Geschlechter  beseitigt ­
  werden  und  Einer  aus  der  eigenen  Mitte  als  ,vffgerukter‘
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.