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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Höfler.

Chrobry’s  kühnen  Plan,  auf  markomaunischem  Boden  ein
grosses  Trutzdeutschland  zu  errichten,  indem  er  Wratislav  zum
Doppelkönige  erhob.  Im  nächsten  Jahrhunderte  leisten  böhmische ­
  und  polnische  Herzoge  in  Merseburg  königlichen  Hofdienst. ­
  Als  es  zum  Kreuzzuge  gegen  die  Wenden  kam  und
die  Frage  aufgeworfen  wurde,  ob  die  ganze  weite  Ebene  von
der  Elbe  zur  Oder,  zum  baltischen  Meere  künftig  nur  mehr  deutsche ­
  Herrschaft,  aber  keine  slavischen  Fürstenthümer  erblicken
solle,  traten  die  Czechen  wie  gewöhnlich  gegen  ihre  Stammesgenossen ­
  auf  und  betheiligten  sie  sich  auf  deutscher  Seite  am
Kreuzzuge  gegen  die  Wenden.  Als  Kaiser  Friedrich  Barbarossa ­
  von  altrömischer  Kaiserherrschaft  träumte,  den  Papst  aus
Rom  und  Italien  trieb,  die  Freiheit  der  lombardischen  Communen
  brach,  es  wieder  sich  darum  handelte,  den  Fuss  auf  den
Nacken  der  Besiegten  zu  setzen,  die  geistige  wie  politische
Freiheit  der  weltlichen  Autokratie  mit  gebundenen  Händen  zu
überliefern,  standen  die  Czechen  nicht  blos  wieder  auf  Seite
des  Imperators,  des  Zerstörers  der  grossen  Bürgerveste  von
Mailand,  sie  leisteten  auch  dem  deutschen  Reiche  in  seinen
Kämpfen  so  ausgiebige  Hilfe,  dass  ihnen  für  die  geleisteten
Dienste  und  in  Anbetracht  der  noch  zu  leistenden  zum  zweiten
Male  aus  deutschen  Händen  das  Königthum  zu  Theil  wurde.
Freilich,  als  der  Zweck  erreicht  war,  bedurfte  man  des  Kärrners
nicht  mehr.  Kaiser  Friedrich  brauchte  keine  mächtigen
Fürsten,  seit  er  an  Heinrich  dem  Welfen  gesehen,  welche  Gefahr
dem  Absolutismus  von  dieser  Seite  drohe.  Das  Reich  wurde
zerstückelt,  die  kleinen  Herzogthümer  geschaffen,  das  Königreich ­
  Böhmen  ging  ein,  wie  die  politische  Verbindung  von
Sachsen  und  Baiern  gelöst  wurde,  und  während  man  mit  dem
Papste  haderte,  fand  sich  ein  Prager  Bischof  aus  dem  Hause
Przemysl  vor,  der  den  Herzoghut  mit  der  Mitra  auf  seinem
Haupte  zu  vereinen  wusste.  Dann  freilich,  als  das  deutsche
Reich  mit  dem  jähen  Tode  des  zweiten  staufischen  Kaisers
sich  aufzulösen  drohte,  1197,  da  war  der  Zeitpunkt  gekommen,
in  welchem  sieh  Böhmen  erhob,  auf  Kosten  des  Reiches.  Wenn
es  sich  aber  in  nächster  Zeit  darum  handelte,  für  das  Reich
einzutreten,  da  weigerten  sich  König  Wenzel  wie  Ottokar  II.,
die  Last  und  Mühe  der  deutschen  Krone  auf  sich  zu  nehmen.
Aus  dem  deutschen  Reiche  sich  eine  böhmische  Grossmacht
            
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