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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Heber  die  Kamlerische  Bearbeitung  der  Gedichte  E.  C.  v.  Kleists.

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ersetzt  der  für  den  Nachruhm  des  Dichters  besorgte  Freund
durch  folgende
Um  des  Sturmes  Macht  zu  hemmen,  und  zugleich  zur  Lust  der  Sinnen
Thürmen  Berge  sich,  von  ihnen  lassest  Du  Gesundheit  rinnen.
deren  ungeheuerliche  Erklärung  vom  Zwecke  der  Berge  Niemand ­
  dem  Dichter  wird  aufbürden  wollen.  Die  Aenderung
machte  im  folgenden  Verse  die  Einschiebung  des  ,Du  tränkst'
statt  des  blossen  ,tränkest'  nothwendig;  im  letzten  Verse  der
Strophe  endlich  wurde  ,erfrischest  die  Natur'  durch  ,erfreuest'
ersetzt.  45  ff.:
Finstre  Wolken,  Bergen  ähnlich,  stossen  ungestüm  zusammen;
Schaut!  aus  ihren  schwarzen  Klüften  brechen  Ströme  wilder  Flammen;
Wald  und  Fluren  stehn  in  Feuer  und  die  Glut  zersprengt  das  Land,
Krokodille,  Löwen,  Tiger  fliehen  zitternd  Dampf  und  Brand.
Die  drei  letzten  Verse  ändert  Rami  er:
Schaut!  aus  ihren  schwarzen  Klüften  brechen  Meere  wilder  Flammen;
Wald  und  Fluren  stehn  in  Feuer,  Ströme  scheim  und  fliehn  das  Land,
Krokodill,  und  Löw’  und  Tiger  bebt,  und  eilt  aus  Dampf  und  Brand.
Der  gewiss  ungewöhnliche  Ausdruck  ,Die  Glut  zersprengt
das  Land'  wurde  durch  einen  noch  ungewöhnlicheren  ersetzt,
dem  zu  Liebe  er  statt  der  Ströme  Meere  von  Flammen  aus
den  Bergen  brechen  lässt.  Zum  Schlüsse  Vers  10  ff.:
Könnt'  ich  gleich  den  blöden  Pinsel  in  der  Sonne  Flammen  tauchen,
0!  so  würd’  von  deinem  Wesen  doch  durch  ihn  kein  Strich  gemacht;
für  welch  letzteren  Ramler  schreibt:
Würde  doch  von  deinem  Wesen  noch  kein  Riss,  kein  Strich  gemacht.
wozu  man  vergleiche  die  frühere  Lesart  3,  11:
01  so  war’  von  Deinem  Wesen  noch  kein  Zug,  kein  Strich  gemacht.
und  die  des  ersten  Entwurfes  3,  11  (Mj:
Ja  der  Abriss  deines  Wesens  blendet  schon  den  kühnen  Blick.
In  dem  Liede  ,Phyllis  an  Dämon'  Nr.  11  geht  Ramler  noch
weiter  als  in  dem  eben  besprochenen  Gedichte,  indem  er  hier,
als  Vorarbeit  gleichsam  für  die  späteren  Ausgaben,  in  denen
diese  Art  sich  öfter  findet,  bereits  eigene  Verse  und  eigene
Reime  einschmuggelt.  Man  vergleiche  die  Verse  11,  3  f.:
Ich  fühl’  die  von  mir  sonst  verlachten  Schmerzen
Jetzt  in  dem  Herzen.
            
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