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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Uelier  die  Ramierische  Bearbeitung  der  Gedichte  E.  C.  v.  Kleists.

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sämmtlichen  Werke  .  .  .  Einige  kleine  Veränderungen  erhielten
die  Herausgeber  von  ihm,  da  es  mit  dem  Drucke  schon  zu
weit  gekommen  war,  als  dass  sie  noch  an  den  gehörigen  Stellen
hätten  eingeschaltet  werden  können.  Man  wird  aber  in  einer
andern  kleinern  Ausgabe  dieser  sämmtlichen  Werke,  welche
mehr  sauber  als  prächtig  ausfallen  soll,  und  bereits  unter  der
Presse  ist,  Gebrauch  davon  machen.'
Zu  diesen  Worten,  welche  klingen,  als  ob  Ränder  das
letztredigirte  Manuscript  Kleists  wörtlich  habe  abdrucken
lassen,  steht  in  directem  Gegensätze  eine  spätere  Briefstelle  an
den  Sohn  von  Joh.  Nicolaus  Götz,  dessen  Gedichte  er  eingestandenermassen
  überarbeitet  hatte  (25.  Februar  1785;  Voss:
Ueber  Götz  und  Ränder  S.  152):  ,Ich  würde  es  also  mit  diesem
Werke  (Götzens  Gedichten)  ebenso  gemacht  haben,  wie  mit
Kleists  Werken.  Dieser  mein  ältester  Freund  überliess  sie
mir  zur  Feile  und  zur  Herausgabe  und  ich  überliess  sie  dem
Herrn  Voss,  unserm  Buchhändler,  so  wie  ich  sie  empfangen
hatte,  das  ist  unentgeltlich'.
Es  ist  seit  Langem  allgemein  bekannt,  dass  Ränder  seine
Feile  schon  in  dieser  ersten  Ausgabe,  nicht  erst  in  den  späteren,
immer  wieder  verbesserten  an  die  Kleistischen  Gedichte  angelegt ­
  hatte.  Schon  Mendelssohn  schreibt  im  Juni  1761  an
Lessing  (Werke.  LIempel.  XX.  b.  S.  167):  ,Es  hat  Jemand  die
Lichtwehr’schen  Fabeln  verbessert  herausgegeben.  Man  vermuthet,
  dass  sich  Herr  Ränder  diese  Freiheit  genommen  und
ist  sehr  begierig  zu  sehen,  wie  Lichtwehr  diese  Freiheit  aufnehmen ­
  wird.  So  stille  als  Logau  und  Kleist  wird  doch  der
noch  athmende  Lichtwehr  gewiss  nicht  herhalten'.  Als  Körte
im  Jahre  1803  auf  Grund  der  Handschriften  die  neue  Ausgabe
von  Kleists  Gedichten:  ,Ewald  Christian  von  Kleists  sämmtliche
Werke  nebst  des  Dichters  Leben  aus  seinen  Briefen  an  Gleim,
Berlin  Unger  (K)'  herausgab,  polemisirte  er  zwar  in  der  Vorrede
gegen  Ramler,  aber  ohne  feste  kritische  Grundsätze;  wie  er  ja
selbst  eine  grosse  Anzahl  von  Lesarten,  welche  sicher  von
Ramler  herrühren,  in  seinen  Text  aufnahm.
J.  H.  Voss  hat  sich  des  Textbesserers,  den  er  selbst  sich
zum  Muster  erwählt  hatte,  gegen  Körte  annehmen  zu  müssen  geglaubt. ­
  Es  erschien  Heidelberg  1807:  ,Ueber  Gleims  Briefsammlung
  und  letzten  Willen.  Ein  Wort  von  J.  H.  Voss'  und
            
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