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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Zur  Kritik  und  Würdigung  der  Passio  sanctornm  quatuor  coronatorura.

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329,  4  und  20;  332,  2  und  7;  333,  14.  —  S.  334,  28  f.  tune
iussit  Lampadius  eos  retrudi  in  custodia  publica,  post  dies  uero
nouern  inuento  (inito  B)  silentio  renuntiauit  gestum  Diocletiano
Augusto.  Ueber  diese  Stelle  bemerkt  De  Rossi  a.  a.  0.  S.  12,
Anm.  1  Folgendes:  ,La  fräse  inuento  silentio  significa,  ottenuta
l’udienza  del  principe.  Nell’  aula  bizantina  le  pubbliche  concioni
  ed  i  concistori  degli  imperatori  furono  chiamate  silentia 1 ;
ferner  verweist  er  auf  Du  Cange.  Dieser  erklärt  silentium
durch  Conference  und  conuentus.  Wenn  demnach  dieses  Wort  in
späterer,  namentlich  in  der  byzantinischen  Zeit  eine  berathende
Versammlung,  einen  Rath  (etwa  ,Staatsrath £ ,  aber  auch  von
kirchlichen  Versammlungen  gebraucht)  bezeichnet,  so  kann
inuento  silentio  schwerlich  heissen:  ,nachdem  er  eine  Audienz
erlangt  hatte 1 '.  Nehmen  wir  hingegen  die  Lesart  von  B  inito
silentio,  so  erhalten  wir  den  vortrefflichen  Sinn:  ,nach  neun
Tagen  fand  eine  Berathung  statt,  bei  welcher  Lampadius  die
Sache  dem  Kaiser  vortrug',  inire  silentium  ist  gesagt  wie
consilium  inire.
S.  335,  28.  Der  Text  bei  Wattenbach:  piissimus  pnnceps
tantum  debet  curam  habere  hominum  ut  deum  coeli  non  offendant
ist  widersinnig.  Als  ob  der  heidnische  Kaiser  nur  dafür  zu
sorgen  hätte,  dass  seine  Unterthanen  den  Gott  der  Christen
nicht  beleidigen!  B  und  jüngere  Handschriften  lesen  richtiger
tantam  curam  debet  habere  hominum  ut  deum  caeli  non  offendat;
d.  h.  auch  der  Kaiser  darf  in  seiner  Liebe  und  Sorge  für  die
Menschen  und  vornehmlich  für  die  cidtores  deorum  nur  so
weit  gehen,  dass  er  den  Gott  des  Himmels  nicht  beleidigt,
dadurch  nämlich,  dass  er  die  Christen  zur  Götterverehrung
zwingt.
S.  337,  3  liest  B  mit  drei  jüngeren  Handschriften  richtiger ­
  :  praecipitari  iussit  in  fluuium,  statt  in  fluuio.
Das  bisher  Erörterte  genügt,  um  den  Wert  von  B
gegenüber  den  jüngeren  Handschriften  klarzustellen.  Eine
grosse  Anzahl  von  Wortumstellungen,  von  kleinen  Erweiterungen ­
  und  grösseren  oder  geringeren  Kürzungen,  •welche  B
allein  bietet,  wurde  absichtlich  übergangen,  obwohl  sie  bei
einer  Neugestaltung  des  Textes  nicht  ausser  Acht  gelassen
werden  dürfen.  Denn  diese  Handschrift  ist  offenbar  aus  einer
sehr  guten  alten  Quelle  geflossen.

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