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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Zu  den  Persiue-Scholien.

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Persius  wir  übrigens  gewiss  am  wenigsten  schmälern  wollen, 1
in  der  Scholienfrage  doch  etwas  zu  summarisches  Verfahren. 2
Dass  dabei,  auch  wo  es  sich  selbst  etwa  hie  und  da  um  ein
gewisses  eklektisches  Verfahren  handeln  würde,  dasselbe  in
einem  solchen  Falle  auch  nach  den  Regeln  der  neueren  Kritik
nicht  immer  zu  verwerfen  wäre,  liegt  auf  der  Hand,  da  bei
diesen  so  häufig  nur  zwischen  den  Zeilen  und  am  Rande  geschriebenen, ­
  so  vielen  Zufälligkeiten  unterworfenen  und  in
manchen  Hss.  so  frühe  schon  immer  mehr  erweiterten  und
versetzten  Scholien  die  Sache  mehrfach  anders  liegt,  als  selbst
in  den  schwierigsten  oder  eigenthümlichsten  Fällen  der  Ueberlieferung
  eines  Autorentextes,  obschon  gerade  auch  für  den
Text  des  Persius  selbst  in  neuerer  Zeit  wiederholt  hervorgehoben ­
  wurde,  dass  es  auch  da  unmöglich  sei,  einen  Codex
zu  ermitteln,  der  als  Fundament  der  Texteskritik  hingestellt
werden  könnte. 3
Durch  eine  Bemerkung  über  die  frühe  Erweiterung  dieser
Scholien  sind  wir  hier  nun  naturgemäss  auch  zum  zweiten
Theile  übergeleitet.  Wir  haben  in  dem  zweiten  Theile  unseres
Codex,  der  als  ,aliud  commentum'  dem  ,Cornutus‘  gegenübergestellt ­
  ist  und  der  nach  einer  Reihe  von  Anzeichen  eine
ähnliche  Erweiterung  bietet,  wie  der  von  Jahn  nur  kurz  eingesehene ­
  Laur.  (13.  Jahrhundert),  die  gewiss  interessante  Entdeckung ­
  gemacht,  dass  fast  alle  jene  auffallenderen  Stellen,  in
denen  nach  den  bisherigen  Mittheilungen  Prag,  nur  mit  Voss,
stimmt  und  die  so  gerne  durch  Zugabe  von  Citaten  und  ausführlichere ­
  Uebereinstimmung  mit  Servius,  Solinus,  Isidor,

'  Vgl.  in  neuester  Zeit  auch  die  verdiente  warme  Anerkennung  der  Leistungen ­
  für  den  Text  des  Persius  bei  Bücheier  Phil.  Krit.  p.  7.
2  Vgl.  z.  B.  Ed.  mai.  p.  CLXII  unde  factum  est,  ut  liodieque  in  diuersis
codicibus  non  plane  iidem  exstent  hi  commentarii  ....  Sed  ea  omnia
in  tali  scriptore  parui  momenti  sunt.  p.  CLXIV  uel  sermone  paullum
immutato  proferuntur,  ita  tarnen  ut  ad  summam  rem  ea  nullius  momenti ­
  sint.
3  Vgl.  Jahn  Ed.  mai.  p.  CXCIII.  Ed.  min.  p.  5.  Göbel  Phil.  XV,  130.
Teuffel  Einl.  zur  Uebers.  p.  51  (=  Studien  u.  Char.  p.  396  ff.)  u.  dgl.
Dagegen  jedoch  hier  bekanntlich  K.  E.  Hermann,  der  gerade  das  Zeugniss
  der  Scholien  als  Häuptgrundlage  der  Textesgestaltung  des  Persius
betrachtete,  vgl.  Anal.  p.  19,  Ausg\  des  Persius  praef.  p.  12.
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