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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Sauer,  lieber  die  Ramierische  Bearbeitung  der  Gedichte  E.  C.  v.  Kleists.  69

Ueber  die  Ramierische  Bearbeitung  der  Gedichte
E.  C.  v.  Kleists.
Eine  texikritische  Untersuchung
von
Dr.  August  Sauer.

Ewald  Christian  von  Kleist  war  in  den  letzten  Jahren
Beines  Lebens  mit  einer  Gesammtausgabe  seiner  Werke  beschäftigt, ­
  welche  im  Verlage  von  Voss  in  Berlin  erscheinen
sollte.  Er  hatte  die  Müsse,  welche  ihm  der  Aufenthalt  in  Leipzig
im  Winter  von  1757  auf  1758  gewährte,  zu  durchgreifenden
Um-  und  Ueberarbeitungen  seiner  Gedichte  verwendet;  ausdrücklich ­
  schreibt  er  am  5.  Mai  1758  an  Gleim:  ,Ich  habe  fast
Alles  durch  und  durch,  sehr  viel  und  ich  glaube  gut  geändert,
besonders  die  erste  Scene  im  Seneka,  die  nicht  dialogisch  genug
ward  Die  Aenderungen  wurden  offenbar  in  Exemplare  seiner
beiden  Gedichtsammlungen,  der  ,Gedichte  von  dem  Verfasser
des  Frühlings'  1756  (G)  und  der  ,Neuen  Gedichte  von  dem
Verfasser  des  Frühlings'  1758  (H)  eingetragen.  Lessing  n^hm
diese  corrigirten  Exemplare  mit  sich,  als  er  in  den  ersten  Tagen
des  Mai  von  Leipzig  nach  Berlin  gieng,  und  er  selbst  wollte
die  Correctur  besorgen;  es  war  ausgemacht,  dass  der  Druck
sogleich  beginnen,  dass  das  Werk  zur  Herbstmesse  erscheinen
sollte.  Darum  schickt  Kleist  neue  Aenderungen  allsogleieh  an
Lessing  (Kleist  an  Gleim,  9.  Mai  1758);  die  Wendung  im  Briefe
an  Hirzel,  20.  August  1758:  ,Ehe  ich  mich’s  versehe,  werde
ich  einen  ziemlichen  Band  geschrieben  haben,'  bezieht  sich
wohl  auf  diese  projectirte  neue  Sammlung.  Auch  das  eben
entstandene  Gedicht  ,Cissides  und  Paches'  sollte  in  dieselbe
eingefügt  werden  (an  Gleim,  18.  September  1758),  wird  aber
dann  auf  des  Dichters  Wunsch  einzeln  gedruckt  (an  Gleim,
            
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