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.R ü d i n g e r.
Schon in der Woche vor Sayce’s Publicatjon, am 2. März d. J.,
hatte aber Herr Theophil Gr. Pinches in der Gesellschaft für
biblische Archäologie über diese kostbare Inschrift einen Vortrag
gehalten, welcher inzwischen in den Verhandlungen der Gesellschaft
erschienen ist und in dieser Gestalt durch Wiedergabe,
Transscription und Uebersetzung des Originaltextes allen billigen
Anforderungen entspricht. Das Denkmal ist ein nur in der
Sonne getrockneter Backstein von vier englischen Zoll Höhe und
dreieinhalb Zoll Breite, auf Vorder- und Rückseite in Doppelcolumnen
bis auf mindestens 28 Zeilen mit freilich nur zum
Theile erhaltenen annalistischen Notizen bedeckt. Des Herausgebers
Zählung ist freilich irrig, 1 da er Nabonedus’ erstes Jahr
nicht einfach mit seiner wirklichen Thronbesteigung beginnen,
sondern sich in zwei spalten 2 lässt und so für das letzte Jahr
desselben auf 539 statt 538 geräth. Auch auf seine Hannonisirungsversuche
der Inschrift mit den griechisch-römischen
Nachrichten (S. 145 f.) kann man verzichten.
Es zeigt sich aber nun, dass Nabonedus ein höchst unthätiger
Fürst war, der lange Jahre in einem Theile von Babylonien
sass, seinen hier ungenannten, im zehnten Jahre (546/5)
zuletzt 3 erwähnten Sohn in einem anderen — im Norden, in
Sipara — mit der Armee schalten, den Götterdienst, namentlich
durch Vernachlässigung der Processionen, verfallen liess. Nur
in seinem ersten Regierungsjahre (555/4) hat er zwei Kriegszüge,
in seinem dritten (553/2) eine Holzfällexpedition nach
dem Amanusgebirge unternommen, Pliönikien besucht und vielleicht
auch irgendwo 1 gekämpft, wenn nicht die letztere ver-1
Pinches ist dabei wohl noch von seinen eigenen, unmöglichen chronologischen
Aufstellungen in den Transactions of the society of bihlicai arckeology
VI, 487 beinflusst.'
2 Zu dem ,dritten Jahre“ bemerkte er nämlich S. 141: This may be the
accession, first and second year3; aber das Antritts- oder Proelamationsjahr
,sanat subat“ ist eben nur der Theil des ersten Regierungsjahres, der
vom Tage der Thronbesteigung bis zum Beginne des Kalenderjahres am
ersten Nisan läuft, wie Oppert in denselben Transactions VI, 261 f., 265
aus den Privateontracten beweist.
3 Vorderseite, Colnmne II, Zeile 19, S. 160.
Erhalten sind nur die Worte: ,und die zahlreichen Krieger . . . gross,
die Stadt Sendini, seine Krieger“. (Vorderseite, Coiumne I, Zeile 18—20,
S. 155). Da vorher der Spätherbstmonat Kisiliv (Zeile 14) erwähnt wird,