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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Ein  neuentdecktes  Blatt  einer  Heliandhandsclirift.

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gewinnen  wir  für  einige  Verse  (961  f.  1002—1006),  welche  die
Flüchtigkeit  des  Schreibers  von  M  durch  gleiche  Worte  verleitet ­
  übersprang,  in  P  wenigstens  einen  zweiten  Zeugen.
Sehe  ich  nun  ab  von  den  bereits  besprochenen  lediglich
grammatischen  Varianten,  und  vorläufig  auch  von  Flüchtigkeiten ­
  und  falschen  Schreibungen,  wie  der  Ausfall  von  quam
964,  fo  975,  tho  994  in  C  und  ganzen  Versen  in  M,  bethuo  für
batho  981  C,  gifahan  für  gifehan  995  C,  (alo-)uualdan  (auch  979?)
für  (alo-)uualdand  998  C,  iungres  für  lungres  987  M,  so  stellt  sich
P  zu  M  972  thiodgumono  (-mo  C)  bezt  (?  oder  bezto7)  997  tliitt
(that  C)  is,  976  forduuardas  (foruu-  C,  vgl.  4250);  zu  C  965
Giordanaftroma  (Jordanes  ft.  M)  und  980  herran  (heran  M)  hebankuning.
  Interessanter  sind  die  P  eigentümlichen  neuen  Lesarten.
Leider  ist  gerade  an  zwei  Stellen  die  Schrift  stark  abgerieben
und  nicht  mehr  vollständig  zu  entziffern,  aber  es  gelang  doch
soviel  zu  lesen  um  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  ergänzen  zu
können.  So  gleich  959  Tho  ni  uuas  lang  te  thiu,  wo  das  noch
erkennbare  auf  aftar  thiu  führt,  und  969  f.  endi  fprak  im  tho
mit  is  uuordon  to  Suuido  god  gumo  Johannes  te  Kriste,  wo  man
mit  kaum  anzuzweifelnder  Ergänzung  als  Lesart  von  P  aufstellen ­
  darf:  endi  fprak  mit  is  uuordun  te  im,  also  wieder  wie
959  eine  gleichberechtigte  Redewendung,  970  fehlt  P.  Kein
Zweifel  kann  über  die  Lesung  sein  bei  folgenden  Varianten:
996.  hie  gideda  it  f'an  aftar  thiu  Mannom  gimarid  (mari),
also  das  praedicative  Particip  statt  des  Adjectivs,  und  in  den
letzten  M  fehlenden  Versen  1003  an  thefaro  (thefan  C)  middilgard,
  also  Vertauschung  des  Casus  und  Genus,  und  1004
that,  quad,  that  (fehlt  C)  fcoldi  Crift  uuefan,  also  ein  für  den
Sinn  nicht  unentbehrliches  Wort  mehr.
Endlich  sei  auch  auf  die  Glosse  aufmerksam  gemacht,
die  über  lungras  (987)  von  derselben  Hand  geschrieben  steht:
gitalas,  sehr  merkwürdig,  weil  dieses  Wort,  so  viel  ich  sehe,
zwar  ahd.  und  mhd.  (Graff  V,  655,  Lexer  I,  999)  nicht  aber
aus  dem  Heliand  selbst  oder  andern  sächsischen  Denkmälern
bisher  belegt  ist.  Das  Bedürfniss  'einer  Glossirung  in  P  oder
wahrscheinlicher  schon  in  der  Vorlage,  lässt  es  übrigens  um
so  begreiflicher  erscheinen,  wenn  der  Schreiber  von  M  an
unserer  Stelle  das  seltene  im  Heliand  selbst  nur  noch  zweimal
erscheinende  lungres  verlas  und  iungres  schrieb.
            
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