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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Hoe  r  nes.

Nach  ihrer  Entfernung  fand  ich  in  einem  ganz  aus  solchen
Platten  zusammengesetzten  Sarge  die  wohlerhaltenen,  doch
nicht  mehr  zusammenhängenden  Knochenreste  je  dreier  menschlicher ­
  Leichen,  ohne  jede  Spur  mitbegrabener  Schmuck-  oder
Gebrauchsgegenstände,  weder  Waffen,  wie  man  nach  den
Emblemen  der  Gruftplatten  vermuthen  sollte,  noch  Spuren
von  Kleidungsstücken.  Die  auffallend  kurzen  Schädel  mit
breitem  Gesicht  waren  im  besten  Zustand  und  zeigten,  auch
bei  einem  ersichtlich  bejahrten  Individuum,  tadellose  Gebisse,
prognathen  Typus,  starke  Augenbogen,  fast  horizontal  vorspringende ­
  Nasenwurzel;  einer  derselben  hatte  mitten  auf  der
Stirn  einen  runden,  scharf  begrenzten  Knochenauswuchs  von
der  Grösse  eines  Kreuzerstückes.  1  Es  ist  mir  räthselhaft,
auf  welche  Weise  in  dem  engen  Raum  des  erwähnten  Steinplattensarges, ­
  der  nur  eine  frische  Leiche  bequem  umschliessen
konnte,  die  Reste  dreier  Todten  hinterlegt  worden  sind,  und
ich  muss  die  Möglichkeit  zugeben,  dass  die  später  Gestorbenen
erst  nach  solchen  Zeiträumen  zu  den  Vorgängern  beigesetzt
wurden,  welche  genügten,  um  die  Leichen  dieser  Letzteren
auf  ein  bescheidenes  räumliches  Maass  zu  reduciren.
2.  ZaimiSte,  alter,  noch  jetzt  benützter  Friedhof  an  der
Listica,  nahe  dem  Austritt  derselben  aus  enger  Felsschlucht,
'/ 2  Stunde  nordwestlich  vom  Kloster.  Gleichfalls  unter  mächtigen ­
  Bäumen  liegt  hier  eine  kleinere  Anzahl  platten-,  sargund
  kreuzförmiger  Steine,  die  sich  durch  Plumpheit  der
Formen  und  Rohheit  der  seltsamen  Sculpturen  selbst  unter  den
Denkmälern  dieser  wenig  ansprechenden  Classe  unvortheilhaft
auszeichnen.  Zwei  sargförmige  Steine  mit  Kleeblattfriesen
unter  dem  Dach  stehen  dicht  zusammengerückt,  doch  auch
an  den  zusammenstossenden  Seiten  sculpirt,  unter  den  neuere«
Gräbern,  von  welchen  ein  Kreuz  mir  dadurch  auffiel,  dass  es
oben,  statt  eines  Buckels  wie  die  Seitenarme,  eine  runde,
schalenförmige  Vertiefung,  wie  zum  Einguss  einer  Opferspende
zeigt.  Im  Hintergründe  der  umfriedeten  und,  wie  mir  scheint,
künstlich  aufgeworfenen  Terrasse  liegen  gewaltige  Platten,
zwei  davon  mit  Zickzackrahmen  und  in  der  Mitte  getheilt,

1  Dieser  Schädel  befindet  sich  jetzt  im  k.  k.  naturhistorischen  Hofmuseum
(anthropologische  Abtheilung).
            
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