562
Hoe r nes.
Nach ihrer Entfernung fand ich in einem ganz aus solchen
Platten zusammengesetzten Sarge die wohlerhaltenen, doch
nicht mehr zusammenhängenden Knochenreste je dreier menschlicher
Leichen, ohne jede Spur mitbegrabener Schmuck- oder
Gebrauchsgegenstände, weder Waffen, wie man nach den
Emblemen der Gruftplatten vermuthen sollte, noch Spuren
von Kleidungsstücken. Die auffallend kurzen Schädel mit
breitem Gesicht waren im besten Zustand und zeigten, auch
bei einem ersichtlich bejahrten Individuum, tadellose Gebisse,
prognathen Typus, starke Augenbogen, fast horizontal vorspringende
Nasenwurzel; einer derselben hatte mitten auf der
Stirn einen runden, scharf begrenzten Knochenauswuchs von
der Grösse eines Kreuzerstückes. 1 Es ist mir räthselhaft,
auf welche Weise in dem engen Raum des erwähnten Steinplattensarges,
der nur eine frische Leiche bequem umschliessen
konnte, die Reste dreier Todten hinterlegt worden sind, und
ich muss die Möglichkeit zugeben, dass die später Gestorbenen
erst nach solchen Zeiträumen zu den Vorgängern beigesetzt
wurden, welche genügten, um die Leichen dieser Letzteren
auf ein bescheidenes räumliches Maass zu reduciren.
2. ZaimiSte, alter, noch jetzt benützter Friedhof an der
Listica, nahe dem Austritt derselben aus enger Felsschlucht,
'/ 2 Stunde nordwestlich vom Kloster. Gleichfalls unter mächtigen
Bäumen liegt hier eine kleinere Anzahl platten-, sargund
kreuzförmiger Steine, die sich durch Plumpheit der
Formen und Rohheit der seltsamen Sculpturen selbst unter den
Denkmälern dieser wenig ansprechenden Classe unvortheilhaft
auszeichnen. Zwei sargförmige Steine mit Kleeblattfriesen
unter dem Dach stehen dicht zusammengerückt, doch auch
an den zusammenstossenden Seiten sculpirt, unter den neuere«
Gräbern, von welchen ein Kreuz mir dadurch auffiel, dass es
oben, statt eines Buckels wie die Seitenarme, eine runde,
schalenförmige Vertiefung, wie zum Einguss einer Opferspende
zeigt. Im Hintergründe der umfriedeten und, wie mir scheint,
künstlich aufgeworfenen Terrasse liegen gewaltige Platten,
zwei davon mit Zickzackrahmen und in der Mitte getheilt,
1 Dieser Schädel befindet sich jetzt im k. k. naturhistorischen Hofmuseum
(anthropologische Abtheilung).