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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Altertliümer  der  Hercegovina.

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höher,  wohl  im  Hintergründe  zusehend  zu  denken,  zwei  Frauengestalten ­
  in  langem  Gewände  und  eigenthümlicher  Haartracht.
Sie  fassen  sich  an  den  erhobenen  Händen  und  halten  sowohl
in  diesen,  als  auch  in  den  erhobenen  freien  Händen  kleeblattförmige ­
  Blumen,  den  Preis  des  Siegers  im  ritterlichen  Kampfspiel. ­
 1  Die  untere  Reihe  besteht  aus  neun  Figuren,  fünf
männlichen  und  vier  weiblichen,  in  den  oben  beschriebenen
Trachten.  Männer  und  Frauen  fassen  sich  abwechselnd  bei
den  erhobenen  Händen  und  halten  dabei  kleeblattförmige
Pflanzen,  die  beiden  Männer  zu  Anfang  und  Ende  stemmen
die  freien  Hände  in  die  Seite.  Die  Darstellung,  obwohl  noch
roh  genug,  ist  doch  viel  freier  und  natürlicher,  als  bei  den
rein  schematischen  Frauenreigen  auf  sarkophagförmigen  Steinen.
Auffallend  ist  nur,  dass  die  Frauenfiguren  mit  schräg  abgeschnittenen ­
  Gewandsäumen  und  —  in  der  unteren  Reihe  —
ohne  Andeutung  der  Füsse  vollkommen  frei,  und  sogar  ziemlich ­
  hoch  in  der  Luft  schweben.  Sie  springen  oder  werden,
wie  es  scheint,  von  den  Männern,  welche  ausschreitend  dargestellt ­
  sind,  im  Schwünge  einhergetragen,  jedenfalls  ein  eigenthümliches
  Mittel  zur  Belebung  der  etwas  einförmigen  Figurenreihe. ­
  Das  Volk  erklärt  diese  und  ähnliche  Darstellungen  für
Scenen  himmlischer  Lust,  wobei  die  Verewigten  in  den  Reigen
der  Heiligen  aufgenommen  erscheinen.  Letztere  sind  nämlich
die  langgewandeten  schwebenden  Gestalten,  deren  rundlicher
Kopfputz  für  den  sogenannten  ,Heiligenschein'  gehalten  wird.
Sculpirt  sind  noch  die  beiden  Seitenflächen  zu  Häupten  und
Füssen  obiger  Reihen,  die  eine  mit  einem  Kreuz,  die  andere
mit  einem  Schild,  auf  dem  ein  schräger  Balken,  Halbmond

1  Vielleicht  ist  hier  keine  der  mannigfachen  Formen  mittelalterlichen  ,Gestecks* ­
  oder  ,Rennens*,  deren  es  nach  den  Tournierbüchern  am  Ende  des
Mittelalters  etwa  sechzehn  gab,  sondern  ein  national-südslavisches
Reiterspiel  dargestellt,  von  dem  ein  serbisches  Volkslied  in  einer
Schilderung  heiterer  Lust  sagt:
,Wer  ein  gutes  Ross  hat,  dreht  es  kunstvoll,
,Freut  am  Spiel  sich,  mit  dem  Wurfstock  schleudernd.*
Die  Kunst  in  diesem  Spiele  besteht  in  der  Geschicklichkeit  des  Reiters,
den  horizontal  geworfenen,  vier  Fuss  langen  Stab  des  Gegners  (d^ilit)
aufzufangen.  Es  soll  noch  heutzutage  ein  Lieblingsspiel  der  Slaven  und
Albanesen  der  Balkanhalbinsel  sein.
            
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