Alterthümer der Hercegovina.
541
eines dieser Denkmäler. Der Steinhaufen war vollständig auseinander
geworfen, auf dem Grunde sah ich in einer grabartigen
Vertiefung zwischen Steinschutt menschliche Gebeine.
Man muss hienach wohl die Ansicht Sternecks (1. c. S. 54 f.)
fallen lassen, dem die Gomile den Eindruck von angehäuften
Klaubsteinen machten, die man, als noch eine schwache Erddecke
den zerklüfteten Felsboden bedeckte, sammelte, um das
Erträgniss desselben zu steigern. Sie sind unstreitig Gräber,
von deren Entstehung die noch heute übliche Bestattungsweise
der Christen jener Gegend ein anschauliches Bild gewährt.
Gegenüber dem Hutberge erhebt sich ein kleinerer Hügel mit
alten Grabsteinen (einer mit drei Kränzen geschmückt). Oben
liegt um eine zum Theil aus altem Material erbaute Kapelle
der neue katholische Friedhof. Da die Christen von Klobuk
arm sind, erschwingen nur wenige ein Steinkreuz auf die
Gräber der Ihrigen, die meisten bedecken den Erdenfleck,
unter dem der Todte ruht, einfach mit einem länglichen
Steinhaufen. Weil aber die Hügelkuppe beschränkten Baum
gewährt, liegen die Gräber sehr eng beisammen, indem so
lange als möglich zwischen je zwei noch ein dritter Todter
gebettet wird. So vermengen sich die Steinhaufen] theils von
selbst, theils werden sie auch wohl von den Angehörigen der
Todten durch Steinschutt mit einander verbunden, damit die
Erde nicht noch einmal aufgewühlt und die Ruhe der Längstentschlafenen
gestört werde. Wahrscheinlich stellen auch die
Gomile, welche so häufig auf beschränkten Hügelräumen angetroffen
werden, jeder für sich gleichsam einen geschlossenen
Friedhof dar, der durch genügende Anhäufung von Steinen
— oft bis zu fünf und mehr Klafter Höhe — consecrirt
und der weiteren Benützung entzogen wurde. Zur Datirung
dieser Denkmäler liegt noch wenig Material vor. In einem
derselben bei Han Podromanjom auf der Hochebene Glasinac
sind höchst merkwürdige Bronzegegenstände gefunden worden,
die zwar nach unsern bisherigen Kategorien den prähistorischen
Alterthümem zugezählt werden müssen, aber entschieden auf
geschichtlich sehr wohl bekannte Zeiträume hinweisen. 1 Auch
1 Von den beiden Hauptstiicken dieses Fundes, der in die anthropologische
Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums gelangte, gleicht ein